19. September 2017
Smart City - die Zukunft der digitalen Stadt
Die Landesfachkommission Bau- und Immobilienwirtschaft widmete sich dem Thema „Smart City“ und hatte mit Dr. Bernd Bienzeisler, Fraunhofer IAO, Torsten Stark, Vodafone Kabel Deutschland GmbH und Christian Koerber, Vodafone Group Service GmbH, Experten zum Thema „Vernetzung“ zu Gast. Der Hausherr, Denis Keil, Vorstand der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft eG, bereicherte den Abend durch Einblicke in das Projekt WINNER seines Unternehmens zum „smarten Wohnen“.
Leise, sauber, grün - sieht so die Stadt der Zukunft aus? Erreichen wir mit dem intelligenten - smarten - Einsatz digitaler Technologien diese Ziele oder ist die Smart City nur ein Modewort für Träumer? Der Spannungsbogen reicht von ehrgeizigen Absichtserklärungen, wie die der Stadt Kopenhagen, die bis zum Jahr 2025 klimaneutral werden will, bis hin zu alltäglichen Ärgernissen, wie bürokratische papiergebundene Verwaltungs- oder Abrechnungsverfahren von Behörden oder Unternehmen. Auch in Sachsen ist das Thema angekommen: So will die Stadt Dresden als Smart City die Lebensqualität für ihre Bürgerinnen und Bürger sowie die Wettbewerbsfähigkeit der dort ansässigen Wirtschaft erhöhen. Leipzig entwickelt eine Smart City Strategie, welche den Leipziger Westen als Laborraum für Innovative Lösungen versteht und auch die Stadt Chemnitz befasst sich mit der Digitalisierung.
(Foto: Wirtschaftsrat)

Themen, wie Parkraummanagement, Innenstadtlogistik und Digitalisierung bestimmten den Redebeitrag von Dr. Bienzeisler. Aus sicht des Fraunhofer IAO sind viele Dinge mit dem nicht genau definierten Begriff „Smart City“ verbunden. Man denke an Auto- bzw. Radsharing-Angebote, an intelligentes Heizen, an Energiemanagement, an digitales Bezahlen in Parkhäusern, an Wohnmöglichkeiten, die Arbeit mit Fitness verbinden u.v.m. Kennzeichen einer smarten Stadt ist in jedem Fall der Vernetzungsgedanke, der über digitale Wege bereits erreicht wird und zunehmend erreicht werden wird. Man darf sich aber keiner Illusion hingeben: Dort, wo viele Daten zusammenfließen, sind die Personen hinter diesen Daten aber auch angreifbar - ein Problemfeld, was im Zuge der Implementierung einer kommunalen Innovationspolitik gelöst werden sollte. Prinzipiell würde sich die Stadt Chemnitz als Vorreiter einer vernetzten und intelligenten, also „smarten Stadt“ eignen, da es dort noch vergleichbar viele freie Flächen für diesbezügliche Test- und Experimentierprojekte gibt.

Die Herren Stark und Koerber (Vodafone-Konzern) griffen eher die von Mobilfunk über Festnetz bis zum TV reichenden digitalen Lebenswelten und Möglichkeiten auf. Im Zeitalter der „Maschinenkommunikation“ (Industrie 4.0), wo Fahrzeuge, Geschäfte, Geräte miteinander interagieren, sind heute Möglichkeiten Realität, die man früher als Utopie abgetan hätte. So ist es z.B. möglich, denn Füllstand von Mülltonnen über Sensoren zu messen, sodass die Müllabfuhr nur dann Fahrten zu unternehmen braucht, wenn die Mülltonnen tatsächlich gefüllt sind. Über an den Straßenlaternen angebrachte Sensorik ist auch ein Parkplatz-Freiflächen-Programm umgesetzt worden, welches den Autofahrern über freie Parkflächen informiert. In Kombination wäre es im Beispiel „Mülltonne“ sogar möglich, dass bei von Kfz zugestellten Tonnen, eine automatische Meldung an das Ordnungsamt gesendet und der Parksünder, der die Mülltonne zugestellt hat, entsprechend sanktioniert wird. Für Gebäude sind heute bereits transparente Energieflüsse möglich, die Wasser, Strom, Gas und Wärme so steuern, dass die jeweilige Energiequelle am Bedarf ausgerichtet, abgerufen werden kann – beleuchtet werden die Gebäude und Straßen selbständig bei Dunkelheit und der Energieverbrauch wird bei Tageslicht durch das Abschalten der Beleuchtung reduziert.

Herr Keil stellte zum Schluss der Veranstaltung das Programm WINNER (Wohnungswirtschaftlich INtegrierte Netzneutrale Elektromobilität im Quartier und der Region der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft eG) vor. Bei diesem partnerschaftlich organisierten Förderprojekt handelt es sich um ein Referenzvorhaben, bei welchem ein Solardach-Wohnblock mit Elektromobilität verbunden wird. D.h. überschüssiger Solarstrom wird zum Aufladen von Elektroautos verwendet. Zunächst sollen zwei Ladestationen den Strom für die Car-Sharing-Elektromobile liefern, um Fahrten durch Chemnitz und Umgebung unternehmen zu können. Mittels einer digitalen Haustafel werden die Mieter über den Energiehaushalt Ihres Wohnhauses sowie den Akku-Füllstand der Autos informiert – ein digitales Schließsystem gewährt den Mietern Zutritt zum Wohnblock, zu Ihrer Wohnung und ggf. zum Fahrzeug. Dieses Projekt stellt eine sehr gute Möglichkeit dar, die (Zukunfts-)Themen Digitalisierung, Energieeffizienz und Elektromobilität im Bewusstsein der Einwohner zu verankern. Die Landesgeschäftsstelle dankt dem Gastgeber sowie den Referenten für die gelungene Veranstaltung.