28. November 2013
Soziale Marktwirtschaft in Wissenschaft und Praxis
Sektion Jena des Wirtschaftsrates Deutschland im Austausch mit Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft.
Blick in die Runde der Diskutanten in Jena (Foto: Karsten Seifert)

Der Anfang zum Schulterschluss zwischen den Bewahrern und Verfechtern des Erbes von Ludwig Erhard aus Wissenschaft und Wirtschaft ist gemacht. Es diskutierten etwa 20 Mitglieder und Gäste der Jenaer Sektion des Wirtschaftsrates der CDU e. V., Landesverband Thüringen, in den Jenaer Räumen der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck mit Professor Dr. Uwe Cantner und Professor Dr. Andreas Freytag. Beide Wissenschaftler sind Lehrstuhlinhaber an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Professor Cantner, Lehrstuhl für Volkswirtschaft/ Mikroökonomik, und Professor Freytag, Lehrstuhl für Volkswirtschaft/Wirtschaftspolitik.

Professor Freytag stellte die „Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft“ vor. Es ginge im Kern darum, Argumente zu suchen und zu verbreiten für die Gültigkeit langfristiger Grundsätze unter den sich verändernden jeweils aktuellen Situationen. Um Wissenschaftler zusätzlich zu motivieren, sich der Sozialen Marktwirtschaft und ihrer weiteren Gestaltung aus wissenschaftlicher Sicht engagiert zu nähern, schreibe die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der FSU den Walter-Eucken-Preis aus. Die Verleihung erfolge alle zwei Jahre (2015 wieder) im Rahmen des Jenaer Konventes zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft.

Professor Cantner, der Märkte in ihren Entwicklungen und Veränderungen erforscht, erläuterte das aus seiner Sicht heute nötige dynamische Marktverständnis anstelle des früheren statischen. Erfolg bildete dabei den Ausgangspunkt für weiteren Erfolg, was diejenigen ohne Erfolg von einer Teilhabe ausschlösse. Der Selektionsprozess würde demnach den früheren Koordinationsprozess ablösen. Der Einfluss der Politik sei demnach gefragt, um die Chancen einer weiteren Teilhabe an Markt, Bildung, Sozialwesen und Finanzmarkt zu erhalten.

Anknüpfungspunkte eines zukünftig mehr gemeinsamen Wirkens von Wirtschaftsrat als Unternehmerverband und der Seite der wissenschaftlichen Forschung und Lehre ergeben sich zudem aus ihrem Engagement in der „Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft“, einem nach der eigenen Darstellung „Kooperationsnetzwerk von Organisationen, Institutionen und Persönlichkeiten, die sich der ordnungspolitischen Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet fühlen.“ Ihr Gründungsort war am 20. Juni 2008 Jena als Veranstaltungsort der Jubiläumskonferenz „60 Jahre Soziale Marktwirtschaft“.

 

Mit Blick auf die derzeit am Weltmarkt mit unserer Sozialen Marktwirtschaft konkurrierenden Systeme, „Manchester-Kapitalismus angelsächsischer Prägung“ und dem fernöstlichen Staatskapitalismus verbreiteten die Wissenschaftler Optimismus für den Bestand unseres Wirtschaftsmodells. Die Geschichte hätte bereits mehrfach bewiesen, dass sich Aufholprozesse zwar staatspolitisch erfolgreich befördern ließen, Innovationsfähigkeit jedoch nicht verordnet werden könne. Langfristig würden sich demnach die Entwicklungsprozesse wieder angleichen.