24. Juni 2021
Wie kommen Bremens Sportvereine durch die Krise?
Sport ist auch ein Wirtschaftsfaktor!
(Flickr)

Sport ist für viele ein sehr emotionales Thema. Die Liebe der Fans zu ihrem Verein ist eine ganz besondere und wird meistens von Generation zu Generation weitergegeben. Der eigene Verein, mal in der ersten, mal in der zweiten oder auch mal in der dritten Liga, aber immer da. Dabei vergessen viele, dass Sportvereine auch einen Wirtschaftsfaktor darstellen und eine wichtige soziale Rolle in der Gesellschaft spielen. Die letzten eineinhalb Jahre waren für Vereine und Fans gleichermaßen schwer. Das Zusammenkommen und Zusammenfeiern im Stadion der eigenen Mannschaft ist etwas, was allen Fans fehlt. Auch den Vereinen fehlen ihre Fans, denn emotional aber auch finanziell war die Corona-Pandemie für Bremens Sportvereinen nicht einfach. Deshalb hat der Bremer Wirtschaftsrat nachgefragt, wie die Bremer Sportvereine durch die Krise gekommen sind. 


Frauke Koch, Geschäftsführerin des Presseklubs Bremerhaven-Unterweser, moderierte die Online-Veranstaltung mit den Geschäftsführern der drei Bremer Sportvereine: Klaus Filbry (SV Werder Bremen), Hauke Hasselbring, (Fischtown Pinguins Bremerhaven) und Nils Ruttmann (Eisbären Bremerhaven).


Klaus Filbry berichtete, Werder Bremen habe während der Pandemie 30 bis 40 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Fehlende Einnahmen und die gleichbleibenden Fixkosten hätten den Verein in eine schwierige finanzielle Lage gebracht. Der Abstieg in die 2. Bundesliga bedeute zudem weitere finanzielle Einbußen, da die Fernsehgelder in der 2. Bundesliga deutlich geringer ausfielen als in der ersten. Die Spielergehälter seien nach dem Abstieg deshalb auch zwangsläufig um 20 - 40% gekürzt worden. 


Hauke Hasselbring räumte ein, die Fischtown Pinguins Bremerhaven hätten mit 5 Millionen Euro zwar einen deutlich kleineren Etat als Werder Bremen, hätten aber dennoch zu kämpfen gehabt, unter anderem mit einem Jahr Kurzarbeit. Es sei ihnen gelungen, ohne neue Kredite auszukommen und die Kosten mehr oder weniger aus den eigenen Liquiditätsreserven und den Corona-Hilfen für Ticketverluste zu decken. Es habe in der Liga einen angeordneten Gehaltsverzicht von 25% gegeben, was die finanzielle Lage stabilisiert habe.


Nils Ruttmann erklärte, die Eisbären Bremerhaven seien bisher eine und eine Viertelsaison lang betroffen. Die Corona-Pandemie habe begonnen, nachdem sie gerade zum ersten Mal in den letzten 10 Jahren in die Playoffs eingezogen seien. Dies sei besonders bitter gewesen, da die Einnahmen aus den Playoffs stets besonders hoch ausfielen und Playoffs ohne Fans eher wie ein Trainingsspiel anmuteten. Die Ticketsoforthilfen des Staates hätten den Eisbären geholfen, da lediglich 25% der Einnahmen aus Ticketverkäufen stammten. Vor der Pandemie seien 75% der Einnahmen aus nicht-TV-basierter Werbung gekommen. Die Spiele wurden dann live gestreamt, was einen gewissen Werbewert für die Werbepartner geschaffen habe. Er sei sehr dankbar, dass die Partner ihnen beigestanden hätten und keiner abgesprungen sei. Kurzarbeit sei aber auch bei ihnen nötig gewesen. 


Die Spieler seien dankbar gewesen, spielen zu können, und der von der Liga auferlegte Gehaltverzicht von 25 % wurde generell akzeptiert, auch da man gesehen habe, dass es anderen Vereinen deutlich schlechter ging, so Hasselbring. Der Verein sei zu jedem Zeitpunkt offen mit der finanziellen Situation umgegangen und sei sehr ehrlich mit den Spielern gewesen.

 
Beim Basketball habe es keinen ligagesteuerten Gehaltsverzicht gegeben. Es habe große Unsicherheit für Spieler geherrscht, die ihren Vertrag verlängern wollten bzw. auf dem Transfermarkt bereitstanden. Die Gehälter seien bei neuen Verträgen stark gesunken, da sich die Vereine in ihrer schlechten finanziellen Situation auf keine großen finanziellen Risiken einlassen wollten. Die Eisbären konnten jedoch alle Verträge erfüllen, worüber sie sehr froh seien, so Ruttmann. 


Bei Werder Bremen habe es zwei Mal einen Gehaltsverzicht für einen bestimmten Zeitraum gegeben, ebenfalls nicht durch die Liga gesteuert. Das Thema sei nicht einfach gewesen, da die Bundesliga finanziell sehr heterogen aufgestellt sei, es gebe viele Vereine mit tiefen Taschen, die keinen Gehaltsverzicht benötigten. Es sei einigen Spielern schwer gefallen, auf Gehalt zu verzichten. Dies habe auch mit den individuellen Situationen der Spieler zu tun. So sei es als Spieler schwer zu verzichten, wenn man sich in seinem letzten Vertragsjahr befinde und seine Karriere bald beende. Schlussendlich hätten aber alle die Gehaltskürzungen akzeptiert. Kurzarbeit sei dort eingesetzt worden, wo es Sinn gemacht habe, dies habe natürlich auch die Mitarbeiter betroffen.

 
Marco Lübke, MDBB, Fraktionssprecher der CDU für Inneres und Sport, verwies auf die Wertschöpfungskette des Sports für die Stadt Bremen. Rund 300 bis 400 Mio. Euro würden alleine durch Werder Bremen an Wertschöpfung in Bremen generiert. Sport sei etwas Gutes, und der Profisport habe auch eine Vorbildfunktion.

 
Die Frage der Einbindung der Fans während der Pandemie habe alle drei Vereine stark beschäftigt. Klaus Filbry, Hauke Hasselbring und Nils Ruttmann berichteten allesamt von den Versuchen, die Fans digital und auf Social Media einzubinden. Dies sei zum Teil gelungen, habe aber bei weitem nicht die Bindung ersetzen können, die durch den direkten Kontakt im Stadion entstehe. Hasselbring erläuterte, es sei einsam gewesen im Stadion, es werde Zeit, die Stadien wieder zu öffnen. Filbry ergänzte, alle Vereine hätten zahlreiche Hygiene-Konzepte in der Schublade, die zur Anwendung kommen könnten, um ein sicheres Sporterlebnis zu ermöglichen. Es sei nun an der Politik, dies wieder zu ermöglichen. Marco Lübke war sich sicher, bei der aktuellen Pandemie-Entwicklung sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch Großveranstaltungen wieder möglich seien.


Filbry berichtet, die Corona-Pandemie habe Werder Bremen digitaler und effizienter gemacht und noch einmal gezeigt, was man an den Fans habe. Eine Entschleunigung sei die zurückliegende Zeit aber wahrlich nicht gewesen. Hauke Hasselbring führte aus, die Pandemie habe eher mehr Arbeit gebracht, da viele neue Hygiene-Konzepte zu entwerfen waren, sich die Lage aber ständig geändert habe und dann alles wieder umgeworfen worden sei. Außerdem sei man damit beschäftigt gewesen, alles mühsam am Leben zu erhalten. Er sehne das Ende der Webmeetings herbei. Nils Ruttmann meinte, die Eisbären seien zusätzlich in der Situation gewesen, dass ihr Stadion zum Impfzentrum umgebaut worden sei. Das habe zur Folge gehabt, dass sie zehn Wochen nur auswärts spielen konnten, bis ihre Trainingshalle adäquat umgebaut worden war. Spiele seien zum Teil 24 Stunden vor Beginn verschoben worden, und die zusätzliche Entwicklung von Konzepten und Lösungen habe nicht zu einer Entschleunigung beigetragen. Die Liga und die anderen Vereine seien jedoch sehr kooperativ und hilfsbereit gewesen.

 
Klaus Filbry wünschte sich für die Zukunft, dass der integre Wettbewerb zwischen den Vereinen wiederhergestellt werde. Die Entfremdung der Fans vom Fußball hänge auch mit den enormen Summen zusammen, die im Fußball im Umlauf seien. Die Verteilung der Gelder anzupassen und Obergrenzen für Spielergehälter einzuführen, sei etwas, was er begrüßen würde. Nils Ruttmann und Hauke Hasselbring wünschten sich nur Normalität zurück. Die exorbitanten Summen des Profifußballes seinen kein Problem beim Eishockey und Basketball, jedenfalls nicht in Deutschland. Auch Marco Lübke wünschte sich, dass es endlich wieder losgehe und ganz persönlich, dass Werder den Wiederaufstieg schaffe. 

 

Alle drei Vereine sehen ihre Sozial- und Jugendarbeit durchaus von der Politik gewürdigt, vor allem von der lokalen Politik. Klaus Filbry war allerdings der Meinung, dass das Land Bremen die Kosten für die Polizeieinsätze im Zuge von Fußballspielen auf den Verein abwälze, sei ein Alleinstellungsmerkmal der Bremer Politik. Dadurch würde man den Beitrag, den Werder für die Bremer Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialarbeit leiste, marginalisieren. Hauke Hasselbring erklärte, die Deckelung der Ticketausfallhilfen auf 0,8 Millionen Euro im ersten Jahr und im nächsten Jahr auf eine Million Euro hätten ihnen als kleineren Verein ausgereicht; größere Vereine hätten damit aber wahrscheinlich nicht sehr viel retten können.  Nils Ruttmann wies darauf hin, er sei froh, dass es Hilfen gab, aber die Auszahlung sei zum Teil sehr spät gekommen, sodass es einige Male finanziell sehr eng wurde. 

 

Marco Lübke bekräftigte, wenn die CDU die Regierung in Bremen stellen würde, könne sich Werder darauf verlassen, dass die Polizeieinsätze wieder vom Land Bremen übernommen würden. Dies sei nur fair, wenn man sich die Wertschöpfung anschaue, die Werder dem Land Bremen beschere.

 

Kontakt
Steffen Lenke
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Landesverband Bremen
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