20. Juli 2016
Startups und deren Finanzierung - was Stuttgart besser kann
Joachim Rudolf: „Zugang zu Start-Kapital muss für Gründer einfacher werden“
Was muss getan werden, um Stuttgart bei Start Ups weiter nach vorne zu bringen ?
Joachim Rudolf, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrats Baden-Württemberg (Foto: Wirtschaftsrat)

Stuttgart, 20.07.2016. „Berlin habe ich bis heute sehr mittelmäßig erlebt. Da wird nicht Tag und Nacht 16 Stunden wie im Silicon Valley gearbeitet“, sagte Dr. Christian Hennerkes von Primus Ventures vor 85 Unternehmern aus dem Großraum Stuttgart. „In den vergangenen Jahren ist die Zahl von Gründern aus der Landeshauptstadt von 12 auf 9 Prozent gesunken“, so Stuttgarts Abgeordneter Dr. Stefan Kaufmann MdB. Was getan werden muss, um Stuttgart weiter nach vorne zu bringen und welche Vorteile sich gegenüber Berlin und dem Silicon Valley bieten, diskutierten Entrepreneure im Rahmen eines „Innovationspolitischen Frühstücks“ des Wirtschaftsrats Baden-Württemberg bei der GFT Technologies SE.

 

Den Standort Stuttgart bezeichnete Hennerkes als „sehr attraktiv durch das vorhandene Investitionskapital“. Dabei führe Förderung nicht zwingend zu mehr Innovation. Vielmehr müsse ein Umdenken stattfinden, um Förderungsmechanismen Erfolg versprechend  aufzustellen. „Gründer brauchen einen einfacheren Einstieg“, hob er hervor. Auch stellte er die Idee eines Mentorenprogramms in den Raum, gekoppelt mit finanzieller Unterstützung.


„Ich möchte zu bedenken geben, dass wir mit den arbeitsrechtlichen und tariflichen Regelungen der 70er Jahre das Rennen mit dem Silicon Valley und anderen nicht gewinnen werden können“, sagte Joachim Rudolf, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrats in Baden-Württemberg. Damit sprach er an, was viele Gründer täglich selbst erleben - in Deutschland müssen viele Hürden genommen werden, bis eine Firma gegründet und Finanzierungsunterstützung beantragt ist. Genau da müsse man ansetzen, findet Rudolf.

v.l.n.r. Dr. Stefan Kaufmann MdB, Wilfried Suckut, Kaweh Kalirad, Ulrich Dietz, Dr. Christian Hennerkes (Foto:Wirtschaftsrat)

Ein Umdenken muss auch für Ulrich Dietz, Vorstandvorsitzender der GFT Technologies SE, stattfinden. Nur wenn Stuttgart interessante Rahmenbedingungen schafft, könne der Standort wettbewerbsfähig sein. Dies könne beispielsweise durch Kostensenkungen oder Internationalität geschehen. Er betonte, dass Gründern auch bewusst werden müsse, welche Verantwortung als Unternehmer daraus entsteht. Einher gehe damit die Verantwortung, Risiken zu übernehmen und die damit verbundenen Entwicklungsschritte zu gehen.

 

Für den Berliner Gründer und CEO von timeslots.com, Kaweh Kalirad, steht die Vision und Realisierung seines Traumes im Vordergrund. Motivation für die Gründung seines „Lebendigen Kalenders“ sei nicht Geld gewesen, sondern die Verwirklichung einer Idee, ermutigte Kalirad andere Gründer. Der Erfolgsfaktor für ihn sei, nicht aufzugeben, sondern weiter an sein Projekt zu glauben.

Moderator Dr. Stefan Kaufmann MdB (Foto: Wirtschaftsrat)

Nicht nur die Mentalität in den USA ist ein großer Unterschied zu Deutschland. Wilfried Suckut, Geschäftsführer der Wohnbau Metzger GmbH + Co. KG aus Esslingen, führt einen Großteil auf die Universität zurück. Bereits dort würden die Studenten unterstützt, sei es durch Wissen oder auch das große Alumni-Netzwerk. Daraus entstehe eine intensivere Identitätsbindung, die erkläre, warum 90 Prozent der Gelder für Startups in die USA fließen.

 

Moderator Dr. Kaufmann MdB ergänzte in seiner Funktion als Obmann des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Bundestag, es gebe seit Mai eine „Dokumentation über die Unternehmungsgründung in Deutschland“. Eine Art Leitfaden, der aufzeigt, wie Gründungen in Deutschland erfolgreich durchgeführt werden können.