12. Oktober 2016
Mittagsgespräch der Sektion Schleswig/Flensburg
Steuerliche E-Government-Verfahren - Zwischenbilanz
Nach Auskunft der Finanzverwaltung hat sich das E-Bilanz-Verfahren als massentauglich erwiesen. Nach den Erfahrungen in der Praxis hakt es aber an einigen Stellen. Neben den fachlichen Inhalten ist die E-Bilanz insbesondere eine prozessuale Herausforderung.
v.l. Dr. Frank Markus Döring, Christian Stender, Viola Leist, Benjamin Feindt, Jörg Boldt, Hauke Präger / Foto: Wirtschaftsrat

Zukünftig will die Finanzverwaltung noch umfangreicher in die Einführung einer elektronischen „Steuerwelt“ investieren. Die E-Bilanz markiert somit lediglich den Anfang einer Entwicklung, die immer mehr an Dynamik gewinnen wird. Was jedoch auf den ersten Blick als eine Erleichterung erscheint, kann schnell zur Mehrbelastung beider Seiten werden, wenn E-Government-Projekte an der fristgemäßen und technischen Umsetzung scheitern. Der Wirtschaftsrat hat deshalb grundsätzliche Verbesserungen bei der Einführung neuer Verfahren ausgearbeitet und als kompetenten Gesprächspartner Christian Stender von der KPMG AG aus Düsseldorf in die Sektion Schleswig/Flensburg eingeladen.

Eine Studie der KPMG erhärtet den Verdacht, daß die Vorteile des Verfahrens bisher einseitig bei den Behörden liegen, während die Unternehmen mit Mehraufwendungen und neuen Haftungsrisiken konfrontiert sind. Hinzu kommen stetig steigende Anforderungen und Haftungsfolgen bei Fehleingaben. Stender berichtet, daß die Verwaltung inzwischen einen Beraterkreis unter Einbeziehung von Experten aus der Wirtschaft gebildet habe, um die laufenden Verfahren zu verbessern.

 

Der Wirtschaftsrat fordert dagegen, zukünftige Verfahren nur schrittweise in den Markt einzuführen. Ein schneller Anwendungszwang digitaler Verfahren wird abgelehnt, sondern traditionelle Verfahren sollten zu erhöhten Gebühren möglich bleiben. Ansonsten drohen noch weitere Desaster wie beim Entgeltnachweisverfahrens (ELENA), das im Jahr 2010 sofort für alle Arbeitgeber verpflichtend wurde und im Jahr 2011 aufgrund von Datenschutzproblemen beendet werden mußte. Benjamin Feindt, Tyskrevision, stellt dazu fest, daß die Finanzverwaltung aus diesem milliardenschweren Desaster bisher offenbar nicht gelernt habe./bz