30. Mai 2016
Szenarien der Immobilienentwicklung in Rhein-Main
Podiumsdiskussion bei der Frankfurter Volksbank
Auf welche Szenarien am Wohnungsmarkt wird sich die Metropolregion Frankfurt am Main in Zukunft einstellen müssen? Vor welchen Herausforderungen steht das Rhein-Main-Gebiet in seiner Immobilienentwicklung? Klar ist: Strukturwandel und Zuwanderung üben Druck auf die Wohnungssituation aus. Der Flächenmangel und eine Fülle an Regularien heizen den Kostendruck und die Mietentwicklung zusätzlich an. Auf Einladung der Landesfachkommission Stadtentwicklung, Bau & Immobilien und unter der Moderation von Corinna Egerer wagten vier hochkarätige Fachleute einen Ausblick.
Podium (Foto: Wirtschaftsrat)

„Neben Gentrifizierung und demografischem Wandel könnte in Zukunft auch der Brexit maßgebliche Konsequenzen für den Wohnungsmarkt in Frankfurt am Main haben“, leitete Ralf Pakosch, Mitglied des Vorstandes der Frankfurter Volksbank eG, sein Grußwort zur Debatte ein. Im zugespitzten Szenario des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU, könnten Schätzungen zufolge rund 20.000 Banker aus dem Raum London auf den Kontinent und gegebenenfalls nach Frankfurt kommen.

 

Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte und stellvertretender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Hessen, fügte an, dass die Zahl älterer und zugleich finanziell schwächerer Nachfrager am Wohnungsmarkt zunehmen werde. „Die Tendenz geht daher in Zukunft eher zum kleinteiligeren und gemeinschaftlichen Wohnen“, so Westphal. Dr. Marc Weinstock, Geschäftsführender Gesellschafter der DSK BIG Gruppe, pflichtete dem bei und erweiterte: „Angesichts des erwarteten Bevölkerungsanstiegs können auch 20.000 neue Banker im Rhein-Main-Gebiet als Prognoseschwankung betrachtet werden. Gemessen am Gesamtzuzug wird sich ein möglicher Brexit hier nur unmerklich auswirken.“

 

Weinstock fuhr fort: „Im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main leben derzeit rund 2,2 Millionen Menschen, für die bereits jetzt zu wenig Wohnraum vorhanden ist.“ Die Bevölkerungszahl in der Metropolregion werde weiter ansteigen, sodass im Jahr 2030 rund 280.000 Wohnungen fehlen werden. Dagegen reichten die Flächenreserven auf diesem Gebiet für gerade einmal 160.000. Dr. Constantin Westphal ergänzte: „Das A und O am Frankfurter Wohnungsmarkt ist tatsächlich das Fehlen der Grundstücke. Das Geld liegt demgegenüber quasi auf der Straße.“ Darüber hinaus wirkten zahlreiche Regularien auf den Immobiliensektor ein. „Mit der Mietpreisbremse, den Quoten für sozialen Wohnungsbau, der Stellplatzsatzung oder dem Ensemble-Schutz schreibt die Stadt vielfache Restriktionen vor“, so Westphal.

 

German Halcour, Geschäftsführer der Lahmeyer Rhein-Main GmbH & Co. KG sowie Vorsitzender der Landesfachkommission Stadtentwicklung, Bau & Immobilien des Wirtschaftsrates Hessen, verwies auf weitere Kostensteigerungen, welche die Wohnsituation treffen würden: „Der bis 2050 angesetzte Energieplan im Koalitionsvertrag wird sich indirekt zusätzlich auf den Immobilienmarkt auswirken.“ Gerhard Schmitt, Geschäftsführer und Partner der RBS Mazars GmbH & Co. KG, merkte an, dass die Attraktivität von Immobilien als Investitionsobjekt erst einmal nicht abnehmen werde. Fiskalpolitisch sei es dennoch notwendig „endlich vernünftige Abschreibungsmodelle für Immobilienwerte auf den Weg zu bringen“.

Foto: Wirtschaftsrat
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