22. November 2011
„Theodor, das machst du nicht!“
Dr. Theo Waigel, Bundesminister der Finanzen a.D., auf der Jahresmitgliederversammlung 2011 des Landesverbands
„Theodor, das machst du nicht!“ Den Deutschen ihre heißgeliebte D-Mark wegzunehmen und durch eine gemeinsame europäische Währung zu ersetzen, fiel auch dem früheren Bundesminister der Finanzen, Dr. Theo Waigel, alles andere als leicht. Waigel referierte auf der Jahresmitgliederversammlung des Landesverbands Baden-Württemberg im stilvollen Ambiente des Böblinger ‚Meilenwerks‘ über die Eurokrise und die Zukunft der Währungsunion.
Dr. Theo Waigel, Bundesminister der Finanzen a.D. (Foto: Wirtschaftsrat)

Heute, gut zehn Jahre nach der Einführung des Euros, „geht es uns sehr gut!“, wie Waigel entschieden feststellte. Betonend, dass frühere Generationen „uns um unseren heutigen Lebensstandart beneiden würden“, hob der fesselnd vortragende 72-Jährige die Vorzüge einer gemeinsamen Währung hervor. Zu diesen würden neben der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit in einer global vernetzen Welt auch die, im Vergleich zur D-Mark, verlässliche Stabilität des Preisniveaus in der Eurozone zählen. „Nur muss man diese Vorteile den Menschen auch vermitteln!“, prangerte Waigel die fehlende Kommunikation der Politik in der Vergangenheit an. Die plastische Darstellung der Dinge und Aufklärung der Bürger in Sachen ‚Euro‘ müsse in Zukunft schleunigst nachgeholt werden, so der frühere CSU-Vorsitzende weiter.

 

Energisch stellte Waigel seine Visionen zur Lösung der Schuldenkrise dar. „Einfach mal den Mund halten und machen“, wäre ihm zur Folge ein erster Schritt, denn „zur Zeit bringt jeder irgendwelche diffusen Vorschläge daher“, die am Ende zu noch mehr Verwirrung führen würden. Stets die möglichen Folgen eines immensen Schuldenberges für nachkommende Generationen im Hinterkopf behaltend, müsse man „einen strikten Kurs der Haushaltskonsolidierung fahren“, zu dem neben Schuldenbremsen, einer nachhaltigen Finanzpolitik und einem strikten Regelwerk zunächst auch „die Hilfe zur Selbsthilfe“ in Form von weiteren Hilfspaketen für angeschlagene Euro-Länder gehören solle. „Denn auch wir haben im vergangenen Jahrhundert bis heute oft Hilfe erfahren, das sollten wir nicht vergessen", sagte Waigel. Mit Verweis auf die Verträge von Maastricht steht aber auch der ehemalige Finanzminister für ein „no bail-out“ in der Eurozone ein.

v.l.n.r: Bernhard Feßler, Heinrich Baumann, Hanspeter Steiert, Dr. Franz Ruder-Underberg, Prof. Dr. Kurt J. Lauk, Joachim Rudolf, Dr. Theo Waigel, Steffen Knaus, Julia Alice Selzer-Bleich, Steffen Beck, Dr. Ulrich Zeitel (Foto: Wirtschaftsrat)

In Bezug auf den schwerwiegendsten "Schuldensünder" Griechenland äußerte sich Waigel kritisch. „Es ist mir bis heute unbegreiflich, wie die Griechen in die Eurozone aufgenommen werden konnten. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass der Beitritt Griechenlands nicht in meiner Amtszeit geschah“, brachte er seine Schelte an den Kontrollsystemen der Europäischen Union in spritziger und humorvoller Art und Weise vor. Was ihn wütend machen würde, wären die Machtspielchen der Politiker, die fehlende Bereitschaft generiertes Geld in die Verbesserung der Finanzstruktur zu investieren und der laxe Umgang mit Richtlinien der EU, wie er im Land des „blinden Passagiers“ Griechenland gerade stattfinden würde. „Dafür habe ich keinerlei Verständnis und wir können und dürfen uns nicht auf der Nase herumtanzen lassen“, so Waigel.

Meilenwerk Böblingen (Foto: Wirtschaftsrat)

Zum Ende seiner Rede betonte der frühere Bundesfinanzminister die besondere Verantwortung Deutschlands, das vor allem aufgrund seines hervorragenden Mittelstandes in der derzeitigen Krise noch gut dastünde und dem deshalb eine tragende Rolle zukommen solle. Man müsse gemeinsam „mit den Kleineren“ im Bewusstsein des gegenseitigen Angewiesenseins durch deutsche Führung ein stabiles Europa schaffen und vor allem wieder Optimismus verbreiten, so Waigel, denn „es ist besser in Zuversicht als in der Furcht zu leben!“.