23. Februar 2015
Top-Managerin Margret Suckale beim Hamburger Wirtschaftsrat
Arbeitsdirektorin der BASF SE spricht über Perspektiven des Wirtschaftsstandortes Deutschland
Deutschland braucht „nicht nur eine Willkommenskultur für Menschen aus aller Welt, sondern auch für neue Technologien“, sagte Margret Suckale, Vorstandsmitglied der BASF SE und Standortleiterin des Werks Ludwigshafen beim Wirtschaftsrat Hamburg. Die deutsche Top-Managerin, die seit 2013 auch Präsidentin des Bundesarbeitergeberverbandes Chemie ist, stellte sich der Frage, welche Herausforderungen, Chancen und Perspektiven dem Wirtschaftsstandort Deutschland bevorstehen.
Margret Suckale (Foto: Wirtschaftsrat)

Einerseits sieht Suckale immer noch gute Rahmenbedingungen am Standort Deutschland. Das gelte für qualifizierte Fachkräfte, die Nähe zu Kundenbranchen, die hohe Qualität von Forschungseinrichtungen und das engmaschige Netzwerk von Wirtschaft und Wissenschaft. Andererseits erkennt sie die Gefahr, dass Deutschland mehr und mehr an Offenheit für neue Technologien verliert: „Wir wollen um jeden Preis alle nur denkbaren Risiken vermeiden. Der technologische Vorsprung ist aber einer unserer wichtigsten Standortvorteile“, so die Referentin. Deutschland sei in einer Phase, wo die Willkommenskultur für neue Technologien einfach fehle.


„Wir sind davon geprägt, jedes Risiko vermeiden zu wollen“, sagte die Arbeitsdirektorin der BASF SE und machte dies unter anderem an den Themen Fracking und TTIP (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) fest. Fracking sei ein extrem emotionales Thema. Man könne mit vielen NGOs nicht mehr darüber reden. Dabei „fracke“ die Mineralölbranche schon seit Ende der 1960er Jahre. „Es wurde immer gefrackt, nur damals hat keiner darüber geredet“, erklärte Suckale. Jetzt habe man die Verfahren verfeinert und könne in andere Erdbereiche vordringen, aber heute mit wesentlich weniger Chemie. Es sei verständlich, dass Leute Informationen wollten und Menschen kritisch seien. Aber gerade in Zeiten geopolitischer Risiken solle man doch sehen, sich energiepolitisch auch unabhängiger machen, so die Expertin.


Nicht weniger emotional wird das Thema TTIP in der öffentlichen Diskussion behandelt. „Wir sollten sehen, dass wir Handelshemmnisse beseitigen. Warum sollen Zulassungen in Deutschland, in Europa und dann noch extra Zulassungen durch amerikanische Behörden notwendig sein?“, fragte Suckale. Dies koste nur Geld und sei nur Bürokratie. Die Wachstumsimpulse, die TTIP bescheren würde, könne man sehr gut gebrauchen. Gleichzeitig mahnte die Managerin aber auch, dass Deutschland, Europa und Russland einander bräuchten. Europa bleibe auf absehbare Zeit der größte und wichtigste Absatzmarkt für das russische Erdgas. Die BASF SE werde ihre mehr als zwanzig Jahre bestehende Zusammenarbeit mit Gazprom fortsetzen.


Dem Vortrag folgte eine angeregte Diskussion, bei der es unter anderem um die Frauenquote, das Thema CO2-Reduktion und den schwierigen öffentlichen Umgang über Themen wie Gentechnik ging. Das anschließende Buffet nutzten die rund 100 Mitglieder und Gäste zum fachlichen Austausch.  

v.l.n.r.: Inez Jürgens M.A.; Margret Suckale (Foto: Wirtschaftsrat)
Fachlicher Austausch beim Buffet (Foto: Wirtschaftsrat)
Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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