24. Mai 2019
Transparenz und Vorsorge schützen vor Altersarmut
Osnabrücker Zeitung

Es ist paradox: Viele Bürger haben Angst vor Altersarmut, wissen aber nicht, ob sie selbst gefährdet sind. Da haben Populisten leichtes Spiel. Doch faktisch wird das Risiko für Altersarmut stark überschätzt. Senioren sind sogar deutlich seltener von Armut betroffen als andere Gruppen: Nur drei Prozent der Über-65-Jährigen erhalten Grundsicherung, Bezieher gesetzlicher Renten gar nur zu 2,5 Prozent, verglichen mit neun Prozent im Bevölkerungsdurchschnitt. Selbst im ungünstigsten Fall wird die Quote von Grundsicherungsempfängern unter Älteren auf nur 5 Prozent bis 2030 steigen. Auf sie allein müsste sich die Politik konzentrieren, wenn sie über die Grundrente nachdenkt. 70 Prozent aller beschäftigten Alleinstehenden und 86 Prozent aller Paare sorgen bereits privat vor. Nur fehlt ihnen oft der Überblick, was dabei im Alter herauskommt. In Dänemark, Norwegen und Schweden kann jeder seine tagesaktuellen Rentenansprüche aus staatlicher und privater Vorsorge einsehen.

 

Ein säulenübergreifendes Renteninformationssystem wurde im Koalitionsvertrag vereinbart. Der angedachte Zeitplan erster Umsetzungsschritte frühestens 2020 ist allerdings viel zu zaghaft. Die Bundesregierung muss hier deutlich aufs Tempo drücken. Denn mit einem säulenübergreifenden Renteninformationssystem trüge jedes Wahlgeschenk ein individuelles Preisschild für die Beitragszahler. In Deutschland hat die Spendierpolitik der letzten und der aktuellen Großen Koalition jüngeren Generationen gewaltige Lasten aufgebürdet. Die jährlichen Rentenausgaben werden sich nach Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums bis 2045 fast verdreifachen: Von derzeit rund 283 Milliarden Euro auf dann 784 Milliarden Euro. Der Steuerzuschuss aus dem Bundeshaushalt wird wohl schon 2020 die Schallmauer von 100 Milliarden Euro durchbrechen. Es ist deshalb dringend nötig, hier das Problembewusstsein der Bürger zu stärken – für weitere Rentengeschenke fehlt jeder Spielraum.

 

Mehr Transparenz in der Altersvorsorge würde Älteren die oft unbegründete Furcht vor Altersarmut nehmen. Jüngere Menschen könnten Lücken frühzeitig erkennen und durch Vorsorge schließen. Aus Datenschutzgründen und damit ein solches System unabhängig von politischer Einflussnahme ist, muss die Renteninformation allerdings von einem neutralen Anbieter bereitgestellt werden. Für einen unkomplizierten Zugang sollte der Abruf zudem nutzerfreundlich, beispielsweise per App, möglich sein.

 

 

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