27. Juli 2016
"Unser Asylrecht lädt zum Missbrauch ein"
Dr. Raid Gharib und Martina Musati zum Thema Menschen, Märkte, Migration im Dialog mit jungen Unternehmer/innen
von links: Markus Barner, Martina Musati, Viola Mahrenbach und Dr. Raib Gharid (Foto: Wirtschaftsrat)

Schwaikheim. Rund 30 junge Unternehmer/innen diskutierten zum Thema Menschen, Märkte, Migration und gingen der Frage nach ob es einen Paradigmenwechsel in der Außen- und Entwicklungspolitik benötigt. Die Brücke zum Gastgeber war schnell geschlagen. Kärcher Futuretech, Tochterunternehmen der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG mit Sitz in Schwaikheim, entwickelt, produziert und vertreibt mobile Versorgungslösungen für Streitkräfte, den Zivil- und Katastrophenschutz. Die Produkte reichen von der mobilen Wasseraufbereitungsanlage über Feldküchen bis hin zu Wohncontainern. Markus Barner, Prokurist und Leiter Marketing/Vertrieb beschrieb treffend: „Was wir herstellen, kann weltweit mobil eingesetzt werden.“

Markus Barner: "Was wir herstellen, kann weltweit mobil eingesetzt werden" (Foto: Wirtschaftsrat)

Martina Musati, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit/Regionaldirektion Baden-Württemberg beleuchtete das Thema konkret. Wer ist in Baden-Württemberg in den letzten Monaten angekommen? Wie sehen die Bleibeperspektiven aus? Wie kann Integration gelingen und welche Herausforderungen gilt es dabei zu meistern? Gleich zu Beginn stellte sie klar: „Der Weg in die Integration ist schwierig und lang aber es gibt keine Alternative!“ Hauptaugenmerk sei in diesem Zusammenhang auf Bildung, Weiterbildung und Qualifizierung zu legen.

 

Sie kritisierte die teilweise noch langen Wartezeiten bis zur nächsten Anschlussmaßnahme. Maximal zwei Monate Wartezeit bis zur nächste Anschlussmaßnahme müsse das Ziel sein, so Musati, die auch betonte, dass Nachqualifizierung um ein vielfaches schwieriger sei als die Menschen gleich nach Ihrer Ankunft zu registrieren und die Arbeit mit Ihnen zu beginnen.

 

Gleichzeitig gelte die Devise „kein Abschluss ohne Anschluss.“ Musati:  „Wir müssen unsere Werte aktiv leben wenn wir wollen, dass diese in einem bunter und vielfältiger werdenden Deutschland respektiert und angenommen werden.“

Diskussion zwischen Referenten und Unternehmer/innen (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Raid Gharib, ehemaliger Diözesanratsvorsitzender der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland gliederte seine Ausführungen in fünf Thesen:

 

1 Außen-, Einwanderungs-, Integrations-, und Menschenrechtspolitik sind nicht zu trennen

 

2 Wir haben kein konsequent humanitäres Asylrecht – es lädt zum Missbrauch ein

 

3 Einwanderungspolitik muss selektieren

 

4 Integrationspolitik muss aktiv gestaltet werden – wenn nötig bis hin zum Entzug des Aufenthaltstitels

 

5 Die gesellschaftspolitische Grundhaltung muss das Individuum in den Vordergrund stellen, nicht das Kollektiv

 

Von der Politik forderte er in diesem Zusammenhang mehr Mut zur ganzheitlichen Perspektive, mehr Mut zu langfristigen Lösungen sowie mehr Mut das Gesamtkonstrukt Asylpolitik gegen die Wand zu fahren und neu aufzusetzen. Die Vorträge regten dazu an, die Themen im individuellen Gespräch nach der Veranstaltung zu vertiefen.