15. November 2016
Sektion Frankfurt
"Unser Fortschritt basiert auf der Vielfalt der Forschung"
Boris Rhein zu Gast auf dem Frankfurter Unternehmerfrühstück
In der Hochschul- und Bildungslandschaft in Hessen sorgten Anfang des Jahres zwei Themen für Aufruhr: die Akademikerschwemme und das Promotionsrecht an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die Meinungen über beide Themen sind geteilt, die Politik steht unter Kritik. Nun war Boris Rhein, Hessischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, zu Gast bei der Sektion Frankfurt, um mit den Mitgliedern die politischen Prozesse und Entscheidungen zu diskutieren.
Staatsminister Boris Rhein auf der Frühstücksveranstaltung der Sektion Frankfurt (Foto: Wirtschaftsrat)

Zum Promotionsrecht an Hochschulen für angewandte Wissenschaft äußerte sich Rhein diskurskritisch: „Die Diskussion über die angebliche Akademikerschwemme ist eine fantastische Diskussion, denn sie ist eine sehr unehrlich geführte. Die Akademikerschwemme wird hauptsächlich von denen beklagt, die die Weihen und die Gnaden der akademischen Ausbildung erleben konnten. Die anderen, die das nicht erleben konnten, führen die Diskussion ganz anders.“ Für diese sei die Möglichkeit der akademischen Ausbildung sogar ein großes Ziel. Solange nicht für das Taxi oder die Arbeitslosigkeit ausgebildet werde, sehe ich kein Problem. Die Zahlen der Hochschulabsolventen spreche für sich: nahezu Vollbeschäftigung. „Wir bilden ja auch nicht die falschen Leute aus. Betrachten wir allein die MINT-Fächer, dann haben wir eine klar steigende Tendenz der Absolventen und Absolventinnen“, unterstrich der Minister für Kunst und Wissenschaft. Diese Entwicklungen seien überaus erfreulich und wichtig.

 

Zum Thema Promotionsrecht an Hochschulen für angewandte Wissenschaften mahnte Rhein davor, eine ähnliche Diskussion wie mit Einführung des Doktor-Ing. zu führen. Damals seien die Universitäten Sturm gelaufen. Gegen das Promotionsrecht an Technischen Hochschulen, gegen das Promotionsrecht für Ingenieure. „Heute ist der deutsche Dr.-Ing. ein Gütesiegel. Man muss also nicht gleich vom Untergang des Abendlandes reden, wenn man das Promotionsrecht an Fachhochschulen einführt. Außerdem gebe es hohe Hürden“, erläuterte Rhein. Zudem sei Voraussetzung, dass eine bestimmte Anzahl an Drittmitteln und Veröffentlichungen erreicht würden. Auch bei der Bewertung der Promotionsarbeit seien die Hürden hoch; so würden Betreuung und Begutachtung unabhängig voneinander stattfinden. Betreuer und Begutachter dürften nicht ein und dieselbe Person sein. Das wiederum sorge für ein hohes Maß an Qualität. „Ich würde mir wünschen, dass die Universitäten dies genauso durchführen würden. Das steigert die Objektivität der Bewertung und ist eine Qualitätssicherung“, so Rhein. Der CDU-Politiker wies auch darauf hin, dass die HAWs kein Interesse daran hätten, die Qualität einer Promotion zu Nivellieren. Die Rollenverteilung im Hochschulsystem, nach der die einen lehren und die anderen forschen, sei längst passé. Es gäbe keinen Grund, einem Studierendem, der sich bewusst für eine HAW entscheidet, eine anschließende Promotion zu verwehren.

 

„Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wir sind jedoch Spitzenreiter beim Export von High-Tech-Produkten. Das liegt an der riesigen Innovationskraft Deutschlands.“ Zurückzuführen sei dies auf die traditionellen Forschungs- und Entwicklungszweige, auf die Deutschland immer gesetzt habe. Bildung habe in Deutschland immer eine große Rolle gespielt, dies schlage sich auch im Haushalt nieder. Durch den Föderalismus treten die Länder in den Wettbewerb. „Seit 1999 hat Hessen eine Aufholjagd begonnen, besonders im Bereich der Hochschulen. Daraus sind Programme wir HEUREKA oder LOEWE entstanden, die einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der hessischen Bildungslandschaft leisten“, so der Minister abschließend. „Die hessische Bildungskultur ist eine Erfolgsstory, die sich auf die Standortattraktivität unseres Bundeslandes auswirkt.“

Die Sektion Frankfurt diskutierte über die aktuelle Situation im Wissenschafts- und Kulturministerium (Foto: Wirtschaftsrat)
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