27. Januar 2017
Unternehmen fordern von Politik Schärfung des wirtschaftspolitischen Profils
Leibinger-Kammüller (TRUMPF): CDU muss sich als Partei der Sozialen Marktwirtschaft wiedererfinden
Dr. Wolfgang Bernhard (Vorstandsmitglied Daimler AG) und Dr. Nicola Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsleitung TRUMPF GmbH + Co. KG)

„Es muss uns gelingen, unsere industrielle Basis erfolgreich in die nächste Ära zu überführen. Die Digitalisierung wälzt wirklich alles um“, sagte Daimler Nutzfahrzeug-Vorstand Dr. Wolfgang Bernhard beim traditionellen Empfang des Wirtschaftsrats Baden-Württemberg in Stuttgart. Eine gesunde industrielle Basis sei ein wesentlicher Pfeiler jeder funktionierenden Gesellschaft. Mit Blick auf die Politik forderte er vor mehr als 500 Unternehmern: „Wir müssen jetzt die richtigen Prioritäten setzen und wieder mehr für unsere Wettbewerbsfähigkeit tun.“

Trumpf-Chefin Dr. Nicola Leibinger-Kammüller attestierte der Bundes-CDU, sie verliere zusehends ihr wirtschaftspolitisches Profil. Dass die Union in einigen Landtagswahlen habe Federn lassen müssen, sei als Weckruf zu verstehen. Die Partei müsse sich im Wahljahr als Partei der Sozialen Marktwirtschaft wiederentdecken. Dann sieht die Trumpf Chefin gute Chancen, verloren gegangenes Vertrauen von Unternehmern zurückzugewinnen. Sie forderte die Wirtschaft auf, der Union dabei zu helfen.

Unisono sprachen sich die beiden Top-Manager für eine ambitionierte Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik aus. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, herausragende Innovationskraft, preissensible Energiepolitik und weitreichender Freihandel seien Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Produktionsstandort Deutschland.

Umso deutlicher forderte Joachim Rudolf als Landesvorsitzender des Wirtschaftsrats, die Soziale Marktwirtschaft wieder in den Fokus zu nehmen. „Es sind politisch schwierige Zeiten. Das Vertrauen in die etablierten Institutionen schwächelt europaweit.“  Im gleichen Maße wie Daimler als Unternehmen seine Hausaufgaben bei Industrie 4.0 machen müsse, sei jetzt die Politik gefordert.