24. Oktober 2016
Unternehmenskauf Deutschland-Schweiz
Chancen und Herausforderungen einer Übernahme
Bizerba feiert in diesem Jahr 150 Jahre Jubiläum, macht 600 Mio. € Umsatz und hat weltweit etwa 3 300 Mitarbeiter. Ein gestandenes Unternehmen also und dennoch war manches neu als man vor zwei Jahren die Busch Werke im Schweizer Kanton Graubünden übernahm. Dieter Conzelmann ist der Verantwortliche dieser Übernahme und gab den rund 25 Unternehmer/innen in Ulm Einblicke in die tägliche Praxis.
Dieter Conzelmann: "Wenn es um Innovationen geht, sind die Schweizer dabei!" (Foto: Wirtschaftsrat)

Zu Beginn bereits gab er zu: „Ich habe die Kulturfrage völlig unterschätzt.“ Trotz gleicher Sprache, habe es so manches Missverständnis gegeben. Er plädierte denn auch für eine klare und offene Kommunikation, nicht zuletzt weil die Loyalität der Mitarbeiter ein zentrales Thema sei. Was die Vermarktung der Produkte angeht, sieht Conzelmann einen klaren Vorteil: „Made in swiss zählt wenn Sie die Produkte vermarkten“, das gelte sowohl in der Schweiz als auch im Ausland.

 

Weitere Vorteile: ein einfach strukturiertes Arbeitsrecht und großes Innovationspotential in den Reihen der Belegschaft. „Geht es um Innovation, sind die Schweizer sehr aufgeschlossen“, so Conzelmann, der Bizerba Busch mittlerweile wie eine Art Start-Up führt.

Florian Geiger (KPMG) und Dr. Peter Wende (CMS) erklären den Übernahmeprozess Step by Step (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Peter Wende von der Kanzlei CMS Hasche Sigle und Florian Geiger, Standortleiter der KPMG in Ulm gaben eine steuerlich-rechtliche Einschätzung einer solchen Übernahme. Wichtig sei, da waren sich beide einig, ein strukturiertes Vorgehen und das frühe Einbinden von Experten. Sonst müsse man manches am Anfang gut gemeint vorverhandelte am Ende wieder rückabwickeln. Was den ersten Schritt, die Abgabe einer Absichtserklärung angeht, empfahl Wende: „Wer hier den ersten Aufschlag macht, ist meist gut im Rennen.“

 

Trotz aller Formalitäten, auch Florian Geiger machte deutlich, dass man noch so gut vorbereitet sein könne wenn die Kommunikation am Ende nicht passe: „Bei einer Übernahme ist der Faktor Mensch die größte Hürde.“ Das gelte sowohl für die verhandelnden Parteien als auch für die Angestellten. 

Dieter Conzelmann hat hierfür eine Betriebs-Psychologin eingestellt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht: „Sie ist Vertrauensperson und neutrale Instanz“, das sei eine wertvolle Konstante, so Conzelmann wenn sich die Rahmenbedingungen änderten.