14. März 2017
Ursachen und Folgen der US-Präsidentschaftswahl
Dr. David Sirakov von der Atlantischen Akademie beim Wirtschaftsrat
Dr. David Sirakov, Direktor der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern, war Gast beim Wirtschaftsrat in Mainz. Dr. Stephan Kern, Sprecher der Sektion und Mitglied des Landesvorstandes, konnte ihn vor einer sehr interessierten Zuhörerschaft in Mainz begrüßen.
Dr. David Sirakov zu Gast beim Wirtschaftsrat in Mainz (Foto: Wirtschaftsrat)


Obwohl die Kandidatin der demokratischen Partei, Hillary Clinton, über 2,8 Mio.  Stimmen mehr bei den US-Präsidentschaftswahlen erhalten hat als der heutige Präsident Donald Trump von den Republikanern, hat er die Mehrheit der Wahlmänner gewonnen. Dies lag nach Einschätzung von Dr. Sirakov insbesondere daran, dass es Clinton nicht gelungen sei, die Staaten Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und Florida, die traditionell eher zu den Demokraten tendieren, zu gewinnen. In einigen wenigen Wahldistrikten dieser vorgenannten Staaten, war Trump so erfolgreich, dass er alle Wahlmänner der vier Staaten gewinnen konnte und somit auch die Mehrheit im Wahlmännergremium erhielt. 


Der Wahlkampf, so Dr. Sirakov, sei von einer starken Polarisierung gekennzeichnet gewesen, was nach seiner Auffassung bereits seit einigen Jahren ein Trend in der amerikanischen Politik ist. Wobei insbesondere Arbeitnehmer mit niedriger Bildung und niedrig qualifizierten Jobs Trump gewählt hätten, der als Republikaner traditionell eher den Mittelstand und den wohlhabenderen Bevölkerungsschichten nahesteht. Einer der Gründe für diese Entwicklung, so Dr. Sirakov, sei die geringste Einkommensentwicklung bei der Mittelklasse in den USA in den vergangenen 20 Jahren. Die bereits angesprochene Polarisierung führe dazu, dass Kompromisse nicht mehr zwischen den Parteien möglich seien. Auf diese sei das US-amerikanische politische System aber angewiesen auf Grund des Zusammenspiels des Repräsentantenhauses und des Senats im Rahmen des Kongress. Überraschend, so Dr. Sirakov, sei bei der Wahlanalyse, dass der Geschlechtsunterschied bei der Wahlentscheidung nicht entscheidend gewesen sei. Auch das Wahlverhalten der Latinos sei überraschend gewesen. Viele Latinos hätten, weil mittlerweile angekommen in der US-amerikanischen Gesellschaft, für Trump und gegen zusätzliche Einwanderung votiert. Darüber hinaus hätten sich jüngere Wähler, in dem sicher geglaubten Sieg der Demokratin Clinton, für unabhängige Kandidaten entschieden.


Als Fazit kann festgehalten werden, dass der Erfolg von Donald Trump nicht eine Ursache, sondern viele Faktoren habe. Einkommens- und Chancenungleichheiten sowie wahrgenommene Bedrohungen durch den demographischen Wandel seien für populistische Kandidaten wie Trump von Vorteil. Der auf Kompromiss basierende Entscheidungsprozess in den USA steckt in einer tiefen Krise, obwohl er für das US-amerikanische System relevant sei. Ein Konglomerat aus politischer und gesellschaftlicher Polarisierung, gepaart mit institutionellen Schwachstellen in den Parteien habe maßgeblich zu der aktuellen Situation beigetragen. Trump generierte mit der Angst vor dem sozialen Abstieg Wählerstimmen, während Clinton als Kandidatin des Establishment die gesamte politische Klasse vertreten habe. Ihr sicher geglaubter Sieg habe Teile der Wählerschaft demobilisiert.