06. September 2016
Vertrauen - das Kapital der Zukunft
Dr. Thomas Schäfer zu Gast beim Wirtschaftsrat
Warum fällt es vielen Bürgern immer schwerer, den grundlegenden gesellschaftlichen Institutionen zu vertrauen? Was ist zu tun, um das verlorengegangene Vertrauen wiederherzustellen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich MdL Dr. Thomas Schäfer, Finanzminister des Landes Hessen, und Gerhard Grandke, Geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, auf Einladung der Landesfachkommission Finanzen des Wirtschaftsrates Hessen. Die Mitglieder waren zu Gast beim Institut Dr. Enkelmann in Königstein im Taunus.
v.l.n.r.: Dr. Claudia Enkelmann, Dr. Thomas Schäfer MdL, Gerhard Grandke und Alexander Gorjinia (Foto: Wirtschaftsrat)

„Der Vertrauensverlust der Bürger findet nicht auf einer persönlichen Ebene statt, da sich diese im Grunde danach sehnen, ihren Mitmenschen zu vertrauen“, erklärte Dr. Thomas Schäfer MdL, Finanzminister des Landes Hessen. Vielmehr seien bislang unumstrittene Grundsätze in den letzten Jahren immer mehr in Frage gestellt worden. Dazu gehöre beispielsweise der Glaube an die Unmöglichkeit einer Staatspleite. Die massive Zunahme von Informationen sieht MdL Schäfer als mitursächlich für das wachsende Misstrauen an: „Früher stellten die Zeitungen, die Radio- und die Fernsehsender die einzigen Informationsquellen dar. Heute hingegen besteht eine regelrechte Informationsflut. Um diese zu verarbeiten, müssen die Bürger die Informationen filtern und sortieren.“ Gleichzeitig gebe es einen starken Rückgang des Allgemeinwissens, weswegen diese Einordnung nur noch unzureichend stattfinde. Aus dieser Problematik ergebe sich eine Verunsicherung, die schließlich dazu führe, dass das Vertrauen in die Institutionen schwindet und Veränderungen als Bedrohungen angesehen werden. Dieser Prozess sei nur dann aufzuhalten, wenn die „Politiker auch unangenehme Wahrheiten offen ansprechen, anstatt Probleme zu kaschieren“, mahnte MdL Schäfer.

 

„Im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise sind die Schulden der sieben wichtigsten Industrienationen auf fast 26 Billionen Euro gewachsen“, stellte Gerhard Grandke fest. „Daraus ergeben sich für die Banken gefährliche Rückkopplungseffekte, weil diese zu den größten Gläubigern ihrer Heimatländer gehören.“ Grandke befürwortete die Absenkung des Leitzinses durch die EZB, wies aber zugleich darauf hin, dass die lockere Geldpolitik an ihre Grenzen stoße: „Die Geldpolitik der EZB wird auf Dauer zu Lasten der privaten Altersvorsorge gehen, woraus sich große gesellschaftliche Probleme ergeben könnten. Außerdem verhalten sich viele Akteure der Finanzbranche so, als habe es die Finanzkrise nie gegeben.“ Grandke schlussfolgerte, dass nun eine wirksame Fiskalpolitik benötigt werde, um dem von der EZB geschaffenen „künstlichen“ Wachstum ein realwirtschaftliches entgegenzusetzen. So könne auch das Vertrauen der Bürger gestärkt werden. Gleichzeitig müssten die Finanzmarktakteure dazu gezwungen werden, ihre „Kasinomentalität“ aufzugeben.

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
Telefon: 069 / 72 73-13
Telefax: 069 / 17 22-47