08. Februar 2019
Der Wirtschaftsrat Sektion Baden-Baden/Rastatt zu Gast im Porsche Zentrum Baden-Baden
Volkswirtschaftlicher Ausblick 2019: "Es gibt viele Probleme, jedoch auch viele zu nutzende Lösungsansätze."
Markus Müller, Global Head of Chief Investment Office Deutschen Bank Wealth Management, beeindruckte beim Volkswirtschaftlichen Ausblick der Sektion Baden-Baden/Rastatt
Wie bereits in den letzten Jahren stieß der schon traditionelle Volkswirtschaftliche Ausblick bei den Unternehmern auf großes Interesse. Rund 50 Teilnehmer diskutierten im Porsche Zentrum Baden-Baden/Rastatt mit Markus Müller, dem globalen Leiter des Chief Investment Office von Deutsche Bank Wealth Management. In seiner Funktion vertritt er die Kapitalmarktmeinung für den Bereich Wealth Management für alle Anlageklassen und -strategien und ist Mitglied im Globalen Multi Asset Investment Committee von Deutsche Bank Wealth Management.

Eines wurde zu Beginn seines Vortrags deutlich: Markus Müller ist niemand, der in der Vergangenheit lebt. Er machte deutlich: "Wir müssen aufhören Probleme zu lösen, die in der Vergangenheit liegen!" Stattdessen gelte es, Zukunftsnarrativen und Visionen zu schaffen.  

 

Für das noch junge Jahr 2019 konstatierte Markus Müller, dass die derzeitige Marktvolatilität auf zunehmenden Unsicherheiten beruhe. Das Niedrigwasser im Sommer, das vor allem im Chemie- und Pharmaziebereich zu Schwierigkeiten geführt hat, und auch die Unsicherheiten der Automobilbranche (E-Mobilität und Dieselskandal) sowie der Handelsstreit haben laut Müller in Deutschland zu einem langsameren Wachstum der Volkswirtschaft geführt. Die Risiken für die globale Wirtschaft seien für 2019 deutlich umrissen: Politische Unsicherheiten in Europa (Stichwort Brexit), Wahlen in Indien, innen- und außenpolitische Unwägbarkeiten in den USA, einhergehend mit weiteren Handelsstreitigkeiten und ggf. höheren Zöllen, dürften zu einer abgeschwächten globalen Konjunktur führen. Dies jedoch in unterschiedlichem Ausmaße, begründet durch unterschiedliche Geld- und Fiskalpolitik sowie unterschiedliche Anfälligkeit gegenüber geopolitischen Risiken. Im Hinblick auf eine nachhaltigere Entwicklung müssten Ressourcen geschont werden um auch künftig Wachstum und den folgenden Generationen ein Leben in Prosperität zu ermöglichen, sagte Müller.

v.l.n.r: Benjamin Groß (Geschäftsführer Porsche Zentrum Baden-Baden), Markus Müller (Global Head of Chief Investment Office Deutsche Bank Wealth Management), Konrad Walter (Sektionssprecher Baden-Baden/Rastatt) (Foto: WR)

Auch am Kapitalmarkt werde man weniger erwirtschaften können, da sich die Finanzmärkte angesichts einer Reihe scheinbar hartnäckiger geopolitischer Risiken, u.a. dem Handelsstreit zwischen den USA und China, eher schwer tun würden, führte Markus Müller aus. Interessant dagegen würden wieder US-Staatsanleihen: „Wir sehen einen klaren Trend für die „Rückkehr der US-Renditen - besonders interessant ist das kurze Ende der US-Zinskurve.“, so Müller. Auch Anleger, die bereit seien in Schwellenländer zu investieren, könnten nach Müller höhere Renditen erwarten. Am Aktienmarkt erwartet er nach den Kursrückgängen in Q4 2018 moderates Aufwärtspotenzial, darüber hinaus sollten gerade langfristig orientierte Anleger in Zukunftsthemen beispielweise in den Bereichen Technologie und Infrastruktur investieren.

Auch die großen Themen Bildung und die Krise der Demokratie griff Müller auf. Er plädierte für eine zukunftsorientierte Anpassung der traditionellen Betonung einer mathematisch orientierten Bildung hin zu einer stärker kreativorientierten Bildung, um auf den Wandel im Arbeitsmarkt reagieren zu können. Auch bei dem festzustellenden gesellschaftlichen Wandel der politischen Gesinnung in Extreme sei es nicht mit mehr Bildung getan, sondern es brauche eine neue Didaktik, so Müller. Der Aufschwung des Populismus in den entwickelten und in den sich entwickelnden Ländern sei nicht zuletzt eine Folge von gefühlten oder realen Disparitäten – zunehmend müsse auch in Deutschland über Bildung und Jugendarbeitslosigkeit geredet werden, so Müller.