16. Februar 2017
Mittagsveranstaltung der Sektion Segeberg in Kisdorf
Von der Schnittstelle zwischen Ostküsten- und Südlink
Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir neue Stromtrassen quer durch die Republik. Die Landesregierung hat sich nun für eine teilweise unterirdische Verlegung der 380-Kilovolt-Leitung stark gemacht. Damit betritt man naturschutzfachlich und bautechnisch Neuland und riskiert weitere Verzögerungen bei der Energiewende.
Bürgermeister Reimer Wisch (Mitte hinten) sprach zur Sektion Segeberg (Foto: Wirtschaftsrat)

Über die Ostküstenleitung soll die per Seekabel zugeführte Windenergie aus Schweden und die im östlichen Schleswig-Holstein erzeugte nach Süddeutschland abtransportiert werden. Gegenwärtig prüft der Netzbetreiber TenneT zwei Erdkabelabschnitte von fünf Kilometern Länge in Henstedt-Ulzburg und von vier im Amtsbereich Kisdorf. Was das bedeuten kann, macht Reimer Wisch, Bürgermeister der Gemeinde Kisdorf, auf Einladung der Sektion Segeberg im Margarethenhoff deutlich: „Zwei Gräben à sechs erderwärmenden Leitungen in etwa zwei Meter Tiefe, dazu an der Oberfläche eine 45 Meter breite Fläche, davon 25 Meter gehölzfrei, regelmäßig unterbrochen von 27.000 Quadratmetern großen Kuppelstellen.“ Die jetzt favorisierte Strecke führe zudem durch Endmoränengebiet mit riesigen Findlingen. „Wir bewegen uns damit bautechnisch und naturschutzrechtlich auf absoluten Neuland.“

 

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, daß die betroffenen Landwirte bereits ihre Klagewilligkeit bis zur letzten Instanz angekündigt haben. Zudem wurden Bedenken vorgetragen, ob die bisherigen Vorbereitungen des Planfeststellungsverfahrens regulär gelaufen sind. Bürgermeister Reimer Wisch empfiehlt dem Land als Auftraggeber dringend, die 380 kV- entlang der 220 kV-Trasse und dann nördlich von Kisdorf und Kaltenkirchen durch unbesiedeltes Gebiet an die Autobahn A7 heranzuführen und die jetzige Planung aufzugeben. Jedem nicht von den geplanten Eingriffen direkt betroffenem Teilnehmer wird in der Diskussion deutlich, daß der Wechsel auf Erdverkabelung den Erfolg der Energiewende um viele weitere Jahre verzögern und verteuern kann, nicht nur in Kisdorf in Schleswig-Holstein, sondern an vielen anderen Orten auf dem Weg von Südlink gen Süden. / bz