02. April 2012
Von Hamburg nach Asien - droht dem Schifffahrtsstandort eine Abwanderung?
Erck Rickmers MdHB zu Gast beim POLITSCHEN FRÜHSTÜCK
Asien gewinnt in der Schifffahrt zunehmend an Bedeutung: Fast 95 Prozent der Weltproduktion im Schiffbau entfielen 2011 auf die drei Spitzenreiter China, Korea und Japan (Clarkson Reserach). Auch in der Finanzierung wird Asien künftig eine größere Rolle spielen. 2010 lag der Anteil schiffsfinanzierender Banken am weltweiten Kreditportfolio bereits bei 15 Prozent (KPMG). Dennoch sieht Erck Rickmers, Gründer der Reederei E.R. Schifffahrt, weniger die Konkurrenz aus Fernost als Bedrohung für den Standort Hamburg. Es sei vielmehr die Dualität von Schifffahrts- und Finanzkrise mit der die Branche aktuell zu kämpfen habe. Was drohe, sei weniger eine Abwanderung nach Asien als „die Abwanderung zum Insolvenzverwalter“.

Beim POLITISCHEN FRÜHSTÜCK des Wirtschaftsrates machte Rickmers deutlich, dass die wirtschaftlichen Kräfte sich nach Osten verschieben. Hunderte Millionen junger Asiaten mit einer immer besseren Ausbildung seien bereit, „extrem hart und entbehrungsreich zu arbeiten, um sich ein kleines Stück von dem Wohlstandskuchen abzuschneiden, der für uns alle selbstverständlich geworden ist“. In Deutschland werde man sich sehr anstrengen müssen, um dagegen zu halten. Der Grund für die aktuelle Krise in der Schifffahrt sei aber nicht in der wachsenden Bedeutung Asiens zu suchen. „Im Gegenteil: Ohne China  wäre ein dynamisches Wachstum gar nicht vorstellbar.“

 

Die Schifffahrt leide unter den Überkapazitäten, die durch die „Investitionsexzesse“ entstanden seien. Problematisch für die deutsche Handelsflotte sei ihre Kleinteiligkeit. Doch selbst für größere Unternehmen stelle die Kreditverknappung eine Herausforderung dar. 

 

Dennoch macht sich Rickmers um den Schifffahrtsstandort keine Sorgen. Mit seinem Know-how und seinen Erfahrungen habe Hamburg beste Voraussetzungen. „Wir sollten keine Zukunftsangst haben, sondern sollten mehr die Chancen als die Risiken sehen und uns auf die damit einhergehenden Veränderungen aktiv einstellen. Dann werden auch wir – und das gilt für alle Branchen – langfristig erfolgreich sein.“