17. Februar 2014
Vorbild Frau
Auftaktveranstaltung des lockeren Netzwerks der Frauen des Wirtschaftsrates
„Deutschland diskutiert derzeit über die Einführung der Frauenquote. Die heutigen Podiumsteilnehmerinnen sind allesamt Frauen in verantwortlichen Führungspositionen, die beweisen, dass es möglich ist, als Frau den Spagat zwischen Familie und Führungsposition zu bewältigen. Wir freuen uns sehr auf aufschlussreiche Gespräche und den offenen Austausch“ eröffnete Nicole Porsch, Mitglied des Vorstands der Sektion Stuttgart, den Abend im Hause der GSK Stockmann + Kollegen, Rechtsanwälte und Notare, über den Dächern von Stuttgart.
Nicole Porsch (Foto: Wirtschaftsrat)

Die beiden Gastgeberinnen Dr. Anne de Boer und Dr. Tabea Glemser, begrüßten die Unternehmerinnen und Unternehmer und erläuterte die Idee des neuen Konzepts: „Wir möchten zeigen, dass Frauen genau wie Männer als Vorbild dienen können. Sie können in verantwortungsvollen Führungspositionen maßgebende Funktionen ausüben sowie in der heutigen Wirtschaft und Industrie aktiv Einfluss nehmen“.

 

Sie dankten Landesgeschäftsführer Bernhard Feßler, den fördernden Initiator der geplanten Veranstaltungsreihe, für die Unterstützung bei der Gründung des Frauennetzwerks im Landesverband Baden-Württemberg. Ziel ist es, kontinuierlichen Austausch zu schaffen, indem in regelmäßigen Abständen weitere Veranstaltungen des Frauennetzwerks durchgeführt werden, bei den weitere Anregungen, Impulse und gegenwärtige Themen behandelt werden sollen. „Hier liegen künftig große Potentiale, die wir, auch angesichts der demographischen Entwicklung, heben wollen“, so Bernhard Feßler.

Podium zum Netzwerk der Frauen des Wirtschaftsrates (Foto: Wirtschaftsrat)

Zur Auftaktveranstaltung des lockeren Netzwerks der Frauen des Wirtschaftsrates diskutierten auf dem Podium unter der Moderation von Dr. Anne de Boer und Dr. Tabea Glemser: Gunda Röstel, Aufsichtsratsmitglied der EnBW AG und Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH, Corinna Werwigk-Hertneck, Rechtsanwältin, Werwigk & Partner Rechtsanwälte und Justizministerin des Landes Baden-Württemberg a.D., Katrin Stegmaier-Hermle, Geschäftsführerin der Balluff GmbH aus Neuhausen a.d.F. und Julia Alice Selzer-Bleich, Geschäftsführende Gesellschafterin bei der Neurologischen Klinik Selzer GmbH in Baiersbronn; allesamt starke Frauen und Entscheiderinnen mit großen Verantwortungsbereichen.

 

Einstimmigkeit herrschte darin, dass die Fähigkeiten zu führen unter den Geschlechtern gleich verteilt sind, demnach könne man nicht behaupten, dass das Erbgut über die Verteilung der Führungspositionen entscheidet. Es gibt verschiedene Gründe, die erklären, warum es jedoch Männer sind, die die Welt der Führungskräfte „regieren“.

 

Zwei dieser Gründe seien unter anderem, dass sich viele Frauen nicht trauten, und es ihnen an eigener Überwindungskraft fehle, sich auf eine Stellen mit Führungsverantwortung zu bewerben. Das Gefühl „man gehört dort nicht hin“, werde Frauen häufig subjektiv vermittelt, weil oftmals nur Männer solche Positionen besetzen. Der zweite Grund, warum so wenige Frauen in Spitzenpositionen zu finden sind, liegt darin begründet, dass Unternehmen bevorzugt Männer einstellen, weil diese als „risikofrei gelten“ - im Gegensatz zu Frauen, die möglicherweise schwanger werden könnten. Für Unternehmen bedeutet eine Frau in einer Führungsposition eine Umstellung für den Betrieb. Umstellung bedeute indes Veränderung, wozu oft keine Bereitschaft gegeben sei.

 

Doch was brauche es, um solch eine Umstellung zu meistern? Es sei wichtig, dass sich Unternehmen eine gewisse Flexibilität und Routine aneignen, die es Frauen erleichtert den Spagat zwischen Familie und Arbeit zu bewältigen und einen eigenen Kinderwunsch umzusetzen.

 

Jedoch müssten Frauen genauso daran arbeiten. Nur wer genügend Leidenschaft und Engagement mitbringe, solle, unabhängig vom Geschlecht, als Führungskraft eingesetzt werden. Aus diesem Grund sprachen sich die Damen überwiegend gegen die Frauenquote aus, um nicht nur „eine Quotenfrau“ zu sein.

(Foto: Wirtschaftsrat)

Oft sei die Entscheidung um Familienplanung und zur Gründung einer Familie aus Sicht einer weiblichen Führungskraft schwierig zu treffen. Weibliche Führungskräfte eigengeführter Unternehmen könnten sich Arbeitszeiten etwaig freier gestalten, was bei angestellten Geschäftsführerinnen deutlich schwieriger sei. Doch bedeutet diese Erkenntnis gar, dass sich eine Karrierefrau nur für ihre Karriere aussprechen muss, oder sobald sie sich für die Karriere entscheidet, auch gleichzeitig damit gegen Kinder ausspricht?

 

Genau an diesem Punkt muss in erster Linie an unserer Gesellschaft gearbeitet werden. Das starre Cliché von „Hausfrau“ oder „Karrierefrau“ muss durchbrochen werden. Eine ihre Karriere verfolgende Frau soll genauso das Recht und gesellschaftliche Akzeptanz erhalten, wenn sie irgendwann eine Familie gründen möchte, wie eine Hausfrau, die sich dafür entscheidet, wieder ins Arbeitsleben einzutreten. Es ist an der Zeit, Frauen zu Vorbildern zu machen, nicht nur als Mutter oder Karrierefrau, sondern in beiden Hinsichten zusammen.

 

Man sollte Frauen nicht unterschätzen: „Mit den Aufgaben wachsen die Kräfte und sei der Spagat zwischen Kindern und Arbeit realisierbar“, herrschte Einigkeit. Als Frau ist es wichtig, sich Vorbilder zu schaffen und selbst zu einem zu werden, um das eigene „Frauennetzwerk“ kontinuierlich auszubauen.

 

Landesgeschäftsführer und Mitglied des Landesvorstands, Bernhard Feßler zeigte sich von der Veranstaltung schwer beeindruckt: „Ich habe diese Veranstaltungsidee von Anfang an unterstützt, dass wir so eine überwältigende Resonanz bekommen würden, hatten wir nicht zu hoffen gewagt.“

 

Joachim Rudolf, Sprecher der Sektion Stuttgart und stellvertretender Landesvorsitzender, belegte am eigenen Beispiel, dass Männer die Aufgaben und Herausforderungen der Frauen oft unterschätzen, bis hin zu dem Tag, an dem sie selber Väter werden und erkennen, dass „Mutter sein ein Fulltime Job ist“. „Der Wirtschaftsrat ist das Unternehmen der Unternehmer. Heute Abend haben wir bewiesen, dass wir auch das Unternehmen der Unternehmerinnen sind. Die enormen Potentiale, die Frauen bieten, und ihre eigene Leistung, als Maßstab für Stellenbesetzungen, müssen gehoben, erhalten und ausgebaut werden“, appellierte er an die Unternehmer und bedankte sich für die gewährte Gastfreundschaft. „Der Auftakt ist absolut gelungen, wir freuen uns daher auf die Fortsetzung und kommenden Begegnungen“.