10. September 2012
Werden wir mit Blackouts leben müssen?
Unter dieser Überschrift stand jetzt eine Abendveranstaltung des Wirtschaftsrats Hessen, Sektion Wetzlar. Fast zeitgleich erlebte Kuba einen gigantischen Blackout, der fast die gesamte Insel lahm legte, und auch in Indien waren vor ein paar Wochen Millionen Menschen, teilweise tagelang, ohne Stromversorgung. Deutschland musste 2006 ebenfalls schon einen Blackout verkraften, der sich über halb Europa bis nach Spanien ausdehnte, jedoch nach ca. 1 Stunde wieder behoben werden konnte.

Der Referent des Abends, Ewald Werner, Prokurist der SAG GmbH (einer der führenden herstellerunabhängingen Dienstleister für energietechnische Infrastruktur), stellte auch für elektrotechnische Laien sehr transparent dar, welche Herausforderungen uns im Zusammenhang mit der „Energiewende“ für eine weiterhin sichere Energieversorgung bevorstehen. Übertragungs- und Verteilnetze seien durch starke Schwankungen bei der Stromerzeugung etwa durch volatile Stromerzeuger wie Windkraft und PV-Anlagen häufig überlastet oder würden im Grenzlastbereich gefahren. Dies führe zu instabilen Stromnetzen: Es komme, so Werner, zu Spannungs- und Frequenzschwankungen außerhalb der zulässigen Bandbreite, was wiederum für Unternehmen mit hochtechnisierten Maschinen sehr problematisch sei und zu Produktionsausfällen führen könne.

 

Hinzu käme, dass bei zu wenig eigener Erzeugung Strom aus dem Ausland dazugekauft werden müsse. Bei zu hoher Einspeisung hingegen müsse teilweise gezahlt werden, damit andere Länder unseren Stromüberschuss  abnähmen.  Doch das sei mit den derzeitigen Kapazitäten des europäischen Übertragungsverbundnetzes oft auch problematisch; so habe z. B. Belgien bereits Sperren eingebaut, um die eigenen Stromnetze stabil zu halten.

 

Da die Bundesländer bisher für sich planten, werde in manchen Bundesländern sehr viel Strom durch Windenergie erzeugt, der jedoch in der eigenen Region keine Abnehmer finde. Eine Speicherung des Stroms in großem Umfang sei bisher noch nicht möglich, so dass die Erzeugungsüberkapazitäten vom Netz genommen werden müssten. Dem Windkraft- oder PV-Anlagenbetreiber sei jedoch die Einspeisevergütung gesetzlich zugesichert, was die Stromkosten zusätzlich nach oben treibe. Dennoch bestehe ein ungebremster Ausbau von Wind– und Photovoltaik-Anlagen.

 

Problematisch sei auch die flächendeckende Weiterverteilung des Stroms – die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau, besonders der Höchstspannungsnetze, sei oft nicht vorhanden. Viele Menschen forderten zwar die Abschaltung der Kernkraftwerke, seien aber gegen den Ausbau der Stromnetze.

 

In der sich dem Vortrag anschließenden lebhaften Diskussion wurde deutlich, wie immens wichtig eine pragmatische und schnelle Lösung der Aufgaben ist, die unserer Gesellschaft mit der eingeleiteten Energiewende  bevorstehen. Fazit: Wenn in Deutschland die Energie fehlt oder Energieverteilung nur instabil funktioniert, wird am Ende unsere ganze Gesellschaft nicht mehr funktionieren!