26. Mai 2017
2. CXO-Event Sylt 2017
Wetterleuchten am Währungsmarkt
Podium Fin Tec: Zukunftsmarkt Währungen
Im Podium „FinTech: Zukunftsmarkt Währungen“ blickt Dr. Veronica Lange, Leiterin Innovation der Schweizer Großbank UBS, zunächst auf ein rasch wachsendes Segment neuartiger Kryptowährungen. Angeführt von dem Bitcoin als bekanntester Marke haben diese ihre
Marktkapitalisierung im letzten Jahr verdreifacht und im März 2017 25 Milliarden US Dollar erreicht.
das Podium Fin Tec v.l.: Mathias Roch, Friedhelm Schmitt, Dr. Edeltraud Leibrock, Alexander Radwan MdB und Moderator Dr. Bertram Zitscher / Foto: Wirtschaftsrat

Diese neuartige Generation von digitalem Geld sei weitgehend fälschungssicher, werde anonym gehandelt, funktioniere unabhängig von Zentralbanken und biete weltweit gebührenarme Transfers. Neben dem Bitcoin seien inzwischen fast 800 neuartige Kryptowährungen gelistet, die alle auf einer Blockchain-Technologie beruhen. Diese biete zukünftig weitere Anwendungsfelder, wie beispielweise smart contracts, die einen vertraglichen Prozeß gesichert abwickeln helfen und sich anschließend selbst löschen. Nach dem Dienstleistungsbereich seien neue Blockchain-Anwendungen jetzt verstärkt auch in der Industrie zu beobachten.

Mathias Roch hat sich neben seinem eigentlichen Unternehmen schon vor einigen Jahren dem Bitcoin und dessen neuartiger Technologie zugewandt. Inzwischen habe er in Österreich eine Firma übernommen, die Bitcoins verbriefe und sich dort über großen Kundenzuspruch freue. In Deutschland sei das Geschäftsmodell rechtlich nicht zulässig. Der Bitcoin diene in Finanzkrisen als Reservewährung und in politischen Krisenregionen als Zufluchts ort für Vermögen. Armen Menschen ohne Chance auf ein Bankkonto eröffne es eine Teilnahme am elektronischen Zahlungsverkehr.

Für Dr. Edeltraud Leibrock, CTO und Geschäftsführerin IT bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Finanzgruppe, und ebenso für Friedhelm Schmitt, CEO der Fincite GmbH, einem jungen Dienstleister für das digitale Vermögensmanagement von Banken, spielen Bitcoins und Kryptowährungen bisher weder im Anlagegeschäft noch im Zahlungsverkehr betriebswirtschaftlich eine Rolle. Dr. Leibrock berichtet von einer Reihe IT-bezogener Initiativen, die gegenwärtig durchgeführt würden, um das Geschäftsmodell der Fondsgesellschaft sowie der verbundenen Banken im Zuge der digitalen Transformation funktions- und wettbewerbsfähig zu halten. Neue Währungen zählten nicht dazu, wohl aber setze man sich mit Entwicklungen und Auswirkungen rund um die Blockchain-Technologie auseinander.

Soll man diese neuen Währungen besteuern oder gar verbieten, oder gewinnt die Volkswirtschaft, die sich am schnellsten auf diese neuen Technologien einstellt? Japan hat den Bitcoin vor wenigen Wochen offiziell zum legalen Zahlungsmittel erklärt. Die Chancen des technischen Fortschritts zu nutzen und die Risiken für die Gesellschaft durch vorausschauende Regelungen zu zähmen, sei Herausforderung für die Politik, so der bayrische CSU-Bundestagsabgeordnete und FinTech-Experte Alexander Radwan. Anwendungen der Blockchain-Technologie erforderten Anpassungen im deutschen Rechtssystem. Bezogen auf den Bitcoin und die aufstrebenden, hochvolatilen Kryptowährungen zeigte er sich zurückhaltend: „Während beim Bitcoin bis heute niemand weiß, wer eigentlich dahintersteckt, sind die Zentralbanken in Europa demokratisch legitimiert.“

 

Dr. Veronica Lange hält dem entgegen, daß der Algorythmus einer Kryptowährung für jedermann offenliege. Die UBS arbeite mit anderen Großbanken an einem „Utility Settlement Coin“, der, in Absprache mit den Zentralbanken entwickelt, die Vorteile der Kryptowährungen in sich aufnehme. Verbunden damit ist die Idee, einen Standard für die Darstellung von Fiat-Currency in digitaler Form zu entwickeln und somit die Fragmentierung in verschiedenste digitale Zahlungsmittel zu vermeiden.

Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren ist im Währungsmarkt also im vollen Gange. Die zukünftigen Regulierungen für Deutschland oder Europa bleiben ungeklärt. Radwan MdB merkt dazu aufgrund seiner Erfahrungen im Währungsausschuß des Europäischen Parlaments an: „Politik braucht zehn Jahre, um gesetzlich auf neue Entwicklungen zu reagieren.“ Als Ergebnis stellt Moderator Dr. Bertram Zitscher die von Dr. Beck am Vormittag gelobte Frage, die hier also laute: „Wie sind Kryptowährungen in Deutschland und Europa idealerweise zu regulieren?“/bz