03. Februar 2012
Wie bedeutend ist die Gesundheitspolitik für die Wirtschaft?
Der Wirtschaftsrat lud ein zur Debatte über die ökonomischen Aspekte der Gesundheitspolitik
Die Sektion Nürtingen/Kirchheim/Filder und die Landesfachkommission ‚Gesundheit & Wirtschaft’ des Wirtschaftsrates waren Veranstalter der Podiumsdiskussion in der Stadthalle K3N in Nürtingen. Unter der Leitung von Monika Röther, Geschäftsführerin der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH und Leiterin der Landesfachkommission, debattierten fünf hochkarätige Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen.
Dieter Kress, Dr. Rainer Hess, Monika Röther, Dr. Norbert Metke, Fritz Becker, Michael Hennrich MdB

„Der Gesundheitssektor ist heute mit 200 Mrd. € Umsatz jährlich und einem Anteil von mehr als 10% am Bruttosozialprodukt das Marktsegment Nummer Eins.“ Mit dieser Feststellung begrüßte Sektionssprecher Dr. Michael W. Müller die zahlreichen anwesenden Gäste und leitete in das Thema der Veranstaltung ein. Gastgeber Thomas Schneider, Geschäftführer der AOK Neckar-Fils und Mitglied in der Landesfachkommission, machte auf die daraus resultierende gestiegene Verantwortung für die Krankenkassen aufmerksam.

 

Michael Hennrich MdB hob gleich zu Beginn das neue Versorgungsstrukturgesetz hervor, welches die Veränderungen der Strukturen ohne Mehrkosten zum Ziel hat. Damit soll die flächendeckende Versorgung gesichert werden. Unterstützt wurde diese Ansicht von Dr. Norbert Metke, dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, der jedoch ausdrücklich vor einer „Zweiklassenmedizin“ und einer Umverteilung der Gelder an Bundesländer mit schlechterer ärztlicher Versorgung warnte. Nachdrücklich sprach er sich gegen eine „Umverteilung von denen, die es blicken, zu denen, die es nicht blicken“ aus.

Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, betonte im Zusammenhang dazu die Rolle des Bundesausschusses, der durch seinen übergeordneten Leistungskatalog die Grundansprüche jedes Versicherten abdeckt.

Thomas Schneider, Dr. Michael W. Müller

Zur Sprache kam außerdem das Gesetz zur Neuverordnung des Arzneimittelmarktes (Amnog), dessen Einführung vor allem von Dieter Kress, Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils und Mitglied im Wirtschaftsrat, befürwortet wurde, da früher „die Pharmaindustrie buchstäblich die Geldsäcke aus den Krankenkassen herausgeschleppt hat.“  Diese Meinung teilte auch Fritz Becker, Präsident des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg e.V., da vor allem in Bezug auf Generika nun echter Wettbewerb entstehen kann und nur noch Verbesserungen der Wirkungsweise von Medikamenten Preiserhöhungen rechtfertigen.

 

Im abschließendenden Resümee war deswegen für alle Teilnehmer die zunehmende Regionalisierung des Gesundheitswesen wichtig, da sonst „zu wenig Geld im Ländle bleibt“ und die Kosten nicht mehr gesteuert werden können.