25. August 2016
"Wir brauchen eine Europäisierung des Meisterbriefes"
Thomas Mann zu Gast beim Wirtschaftsrat
Ein klares politisches Bekenntnis zum Meisterbrief legte Thomas Mann, Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei, ab. Er war der Einladung der Sektion Gießen zur Veranstaltung „Meisterbrief – Modell für Europa“ gefolgt. Gemeinsam mit Björn Hendrischke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen, diskutierte er über die Zukunft des deutschen Modells für Europa.
v.l.n.r.: Björn Hendrischke und Thomas Mann, MdEP (Foto: Wirtschaftsrat)

„Die Abschaffung der Meisterpflicht in zahlreichen Handwerken durch die damalige rot-grüne Bundesregierung hat nicht nur zu einer massiven Zunahme des Pfusches gesorgt, sondern zusätzlich das soziale Sicherungssystem auf die Probe gestellt“, stieg Thomas Mann MdEP in seinen Vortrag ein. „Seit der Handwerksreform ist die durchschnittliche Betriebsgröße von 11,3 Mitarbeitern im Jahr 2003 auf 4,3 Mitarbeiter im Jahr 2009 zurückgegangen. Fast sämtliche Betriebe, deren Gründung durch die Reform ermöglicht wurde, sind innerhalb der ersten drei bis vier Jahre gescheitert.“

 

Gleichzeitig kritisierte MdEP Mann die durch die Europäischen Kommission beabsichtigte Beseitigung sämtlicher Zugangsbeschränkungen am Arbeitsmarkt: „Bei der Angleichung der europäischen Ausbildungssysteme muss statt einer Zwangsharmonisierung eine Qualitätsorientierung erfolgen.“ Das Vorgehen der EU-Kommission stelle eine Bedrohung für den Fortbestand des Meisterbriefes dar.

Zugleich betonte der Europaabgeordnete die Vorzüge der deutschen dualen Ausbildung, die nicht nur für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit sorge, sondern auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichere.

 

Ähnlich äußerte sich Björn Hendrischke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen: „Die Qualität des deutschen Ausbildungssystems ist maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Der Meisterbrief spielt dabei eine wichtige Rolle, da er nicht nur Wissen der Fachpraxis und –Theorie vermittelt, sondern auch ein vertieftes Verständnis für die betriebswirtschaftlichen Grundlagen und die Berufs- und Arbeitspädagogik schafft.“ Die Frage, ob der Meisterbrief ein Modell für Europa sei, konnte Herr Hendrischke mit einem klaren „Ja“ beantworten. Allerdings sei aufgrund von Mentalitätsunterschieden die Bereitschaft, in Auszubildende zu investieren, in anderen Ländern leider nicht in dem Maße wie in Deutschland gegeben. Auch lasse sich das deutsche Modell nicht 1:1 auf andere Länder übertragen, da es vor allem auf den hohen Qualitätsstandards in Deutschland basiere.

 

Auf Einladung der Mettler-Toledo GmbH kamen die Mitglieder und Gäste anschließend zu einem Imbiss zusammen, bei dem die Gespräche weiter vertieft wurden.

v.l.n.r.: Björn Hendrischke und Thomas Mann, MdEP (Foto: Wirtschaftsrat)
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