16. Mai 2012
„Wir Deutschen gehen im Schnitt 17 Mal zum Arzt."
Josef Bühler, Geschäftsführer AOK Ostwürttemberg diskutiert mit Mitglieder der Sektion Heidenheim des Wirtschaftsrates zu aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen
„300 Milliarden Euro werden jährlich im Gesundheitssegment bewegt. Das zeigt die Relevanz dieses Bereichs. Wir freuen uns daher sehr, dass wir heute mit Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, einen Gesprächspartner haben, der uns die wesentlichen Strukturen und aktuellen Entwicklungen des Systems erläutert.“, mit diesen Worten führte Dr. Klaus-Günther Strack, Mitglied im Vorstand der Sektion Heidenheim, in das Thema der zweiten politischen Mittagsrunde der Sektion ein. Dieses Format zum informellen Austausch in kleiner Runde möchte die Sektion Heidenheim als Tradition etablieren.

In seinem Impulsvortrag ging Bühler im wesentlichen auf drei Themen ein: Die (aktuell positive) Finanzsituation der gesetzlichen Krankenkassen, Entwicklungstendenzen in der privaten Krankenversicherung sowie die Auswirkungen der Nichtzahlung von Beiträgen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung, die sich zwischenzeitlich auf 2 Milliarden Euro summieren.
Den Forderungen, die Überschüsse pauschal an alle Versicherten mittels Beitragssenkungen zurückzuzahlen widersprach er vehement und belegte an einigen Beispielen: „Es gibt Kassen, die im Minus sind, und Kassen, die im hohen Plus sind.“

Auf die kritischen Frage der Mitglieder nach einer Reform des Gesundheitswesens fand Bühler Unterstützung bei Monika Röther, Leiterin der Landesfachkommission „Gesundheit & Wirtschaft“ des Wirtschaftsrates: „Ein Komfortsystem wie in Deutschland gibt es in keinem anderen europäischen Land.“ Die Verbesserungspotentiale seien auch durchaus bekannt, nur scheiterten sie am Willen der Politik, diese unbequemen Wahrheiten auszusprechen. Bühler ergänzte: „Wir Deutschen gehen im Schnitt 17 Mal zum Arzt. In anderen europäischen Ländern ist diese Zahl deutlich niedriger.“ Die angeregte und engagierte Diskussion zeigte deutlich die Bedeutung der Gesundheitspolitik für die Unternehmer. „Wir können heute in diesem Rahmen sicherlich nicht alle Fragen abschließend behandeln, wir hoffen aber, dass Sie alle nach diesem Mittagstisch mit einigen neuen Informationen ausgestattet sind.“, schloss Strack die Runde.