09. November 2016
"Wir schauen nicht auf diejenigen, die unser Geschäftsmodell zerstören"
CDU-Vize Klöckner und Wirtschaftsrats-Präsident Bahlsen diskutierten über Werte und Digitalisierung
Kein Platz mehr frei im ehemaligen Flughafen-Hangar in Böblingen: CDU-Bundesvize Julia Klöckner MdL, Wirtschaftsrats-Präsident Werner M. Bahlsen und Generalsekretär Wolfgang Steiger sprachen beim Herbstempfang „analoge Werte und digitale Märkte“ des Landesverbands Baden-Württemberg. Thema des Abends: Wie können wir als Gesellschaft die Chancen bei der digitalen Transformation betonen? Die Kulisse bot die Arthur Bechtel Classic Motors in der Motorworld.
v.l.n.r.: Landesvorsitzender Joachim Rudolf, Präsident Werner M. Bahlsen, Julia Klöckner MdL, Generalsekretär Wolfgang Steiger, Landesgeschäftsführer Daniel Imhäuser (Foto: Wirtschaftsrat)

Julia Klöckner wurde gleich zu Beginn deutlich: „Bequem machen funktioniert nicht, wenn man vorwärts kommen will“. Mit Blick auf die Situation in Deutschland forderte Klöckner mehr Offenheit und Mut für Neuerungen. Das gelte für die Politik wie auch für die Unternehmen: „Politik darf nicht länger festhalten, sie muss loslassen und möglich machen.“ Und auch beim Bildungssystem sieht sie Handlungsbedarf: „In digitalen Zeiten und Zeiten des schnellen Googlens zählen Kompetenz und Wissen mehr denn je.“ Das Bildungssystem vermittele aber andere Werte: „Wir müssen kritisch hinterfragen, was Schulen heute vermitteln“. Es gäbe Gründe, warum heute keiner mehr Unternehmer werden möchte. Es gehe darum, Grundlegendes erlebbar zu machen: „Gelebte Werte sind Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg.“ Spitze komme immer aus Breite, so Klöckners Fazit.

Werner Bahlsen berichtete von seinem Besuch im Silicon Valley: „Facebooks Werte sind gar nicht so weit von denen vieler Familienunternehmen entfernt“. Es gäbe Unterschiede und dennoch Gemeinsamkeiten. Der Geist des Gründers präge das Unternehmen. Auch Bahlsen rüttelte wach: „Wir schauen auf die Konkurrenz statt auf die, die heute noch gar keine Konkurrenz sind, morgen aber unser Geschäftsmodell zerstören.“ Das gelinge nur, wenn Unternehmer bereit seien, Wandel als Wert und Fähigkeit zu verinnerlichen. „Bestehende Modelle dürfen nicht festgeschrieben werden“, so Bahlsen, vielmehr gehe es darum mutig und entschlossen nach vorn zu blicken und die Intelligenz des Landes zu nutzen.

Generalsekretär Wolfgang Steiger forderte: „Der Wirtschaftsstandort Deutschland muss wieder im Zentrum deutscher Politik stehen.“ Nur so sei der Balance-Akt zwischen humanitärer Pflicht und gesellschaftlich-unternehmerischer Leistungsfähigkeit zu meistern. „Wirtschaftlicher Erfolg ist die Grundvoraussetzung für Innovation aber auch für Soziale Sicherheit. Gleichzeitig attestierte Steiger: „Wir haben kein Defizit an Gesetzen sondern an Entschlossenheit“. Er forderte die großen Volksparteien deshalb dazu auf, entschlossen voran zu gehen und ihr Profil deutlicher zu schärfen.

Auch Landesvorsitzender Joachim Rudolf betonte, die CDU und die Volksparteien müssten dringend wieder Antworten auf die Sorgen und Ängste der Bevölkerung finden und sich auf ihren Markenkern besinnen: „Obwohl das materielle Niveau der Menschen hoch ist, gibt es eine diffuse Unzufriedenheit. Dieses Feld dürfen wir auf keinen Fall den Populisten überlassen, die mit Schuldzuweisungen arbeiten, aber keine Lösungen anbieten. Die Parteien müssen es unbedingt schaffen, wieder mit Fakten zu überzeugen und besser zu kommunizieren.“