18. September 2017
Wirtschaftsrat und Altmaier für digitale Renteninformation
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bürger sollen mehr über ihre Rente wissen


Kanzleramtschef Altmaier und CDU-Wirtschaftsrat für digitales Informationssystem

 

In ihrem Wahlprogramm zeigt sich die Union schmallippig im Hinblick auf ihre Rentenpläne
für die nächste Legislaturperiode. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) bringt nun eine Woche vor der Wahl einen Vorschlag, der Element einer Rentenreform sein könnte: eine elektronische Renteninformation, die den Versicherten Klarheit verschaffen soll über ihre gesamten Alterseinkünfte. „Durch die Einführung eines digitalen Bürgerportals soll künftig sichergestellt werden, dass alle Verwaltungsdienstleistungen deutschlandweit elektronisch verfügbar sind. Gleichzeitig muss ein solches Portal den Bürgern den Zugang zu einer unabhängigen Plattform bieten, die alle Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und
privater Vorsorge sicher, einfach und übersichtlich zusammenfasst", sagte Altmaier dieser Zeitung am Wochenende in Berlin. „Wir wollen, dass sich jeder Bürger über Fragen der Alterssicherung gut informieren und in Zukunft besser nachvollziehen kann, welche Anwartschaften er in den verschiedenen Säulen der Alterssicherung angespart hat. Eventuell bestehende Versorgungslücken können so besser aufgedeckt werden."


Für Altmaier steht die digitale Renteninformation in einem größeren Zusammenhang. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Bürger Steuererklärung, Antrag auf Kindergeld,  Anwohnerparkausweis oder Pkw-Zulassung online erledigen können. Das spart Zeit und Geld und ermöglicht zusätzliche Wertschöpfung. Ein Staat, der die digitale Herausforderung ernst nimmt, kann nicht dem Mittelständler sagen: ,Verliere nicht den Anschluss', aber dann selbst Sterbe und Geburtsurkunden ausstellen wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten."


Altmaiers Vorstoß basiert auf einem Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrats für ein Renteninformationssystem, das den Versicherten anhand standardisierter  Berechnungsmethoden einen Gesamtüberblick über erworbene Ansprüche aus Rente
und Zusatzvorsorge verschafft. Gegenwärtig fehlt vielen Bürgern ein ausreichender Überblick über ihre Rentenansprüche. Nach einer Studie unter Federführung des Vereins Deutsche Renten Information und der Frankfurter Goethe Universität können 70 Prozent der Befragten
ihre Gesamtrente nicht einschätzen.


Im Durchschnitt stammen in Deutschland derzeit zwei Drittel aller Altersbezüge aus der gesetzlichen Rente, aber nur 9 Prozent aus der privaten und 8 Prozent aus der betrieblichen Vorsorge. Wer indes nicht zusätzlich vorsorgt und sich allein auf seine gesetzliche Rente verlässt, muss damit rechnen, dass er den gewohnten Lebensstandard im Alter nicht halten
kann. Der Generalsekretär des CDU Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, sagte: „Angesichts des demographischen Wandels und der Überforderung unserer umlagefinanzierten
Sozialsysteme führt an mehr Eigenverantwortung bei der Altersvorsorge kein Weg vorbei. Je transparenter für die Bürger ihre Versorgungslücken werden, desto eher können wir sie zu
mehr Altersvorsorge anregen."


Außerdem forderte Steiger mehr Sachlichkeit in der politischen Debatte. „Wenn alle Rentenvorschläge künftig für jeden einzelnen Beitragszahler ein individuelles Preisschild tragen, sind die absurdesten Forderungen ganz schnell vom Tisch", sagte er. Das Informationssystem muss nach Überzeugung des Wirtschaftsrats unabhängig von der Rentenversicherung, vom Fiskus und von der Versicherungswirtschaft sein. Liefern könnte es
die „Deutsche Renten Information", eine von Wissenschaft und Politik unterstützten
Initiative für Transparenz der Alterssicherung. Deren Vorstandsvorsitzender, der Frankfurter Ökonom Andreas Hackethal, sagte: „In Deutschland ist die Suche nach Informationen über die individuellen Versorgungsansprüche bislang sehr verwirrend."


In anderen Ländern Europas gebe es solche Informationssysteme längst. „Wer beispielsweise in Dänemark, Schweden oder Norwegen lebt, kann auf einen Blick und datenschutzrechtlich einwandfrei den aktuellen Stand aller seiner Renteneinkünfte aus den verschiedenen Säulen der Alterssicherung einsehen."

 

Hier können Sie den Artikel Online einsehen.

 

Alle Rechte vorbehalten. Copyright Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

Kontakt
Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Pressestelle
Luisenstraße 44, 10117 Berlin

Telefon: 030 / 240 87-301
Telefax: 030 / 240 87-305

pressestelle@wirtschaftsrat.de