09. Mai 2011
Wirtschaftsrat diskutiert über die Gesundheitsversorgung von morgen
Bewusstsein für die tatsächlichen Kosten schaffen
Die Sektion Esslingen/Göppingen diskutierte auf einer Veranstaltung mit den Geschäftsführern der AOK Neckar-Fils, Dieter Kress und Thomas Schneider, über die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Unter dem Motto „Die Gesundheitsversorgung von morgen – Die Herausforderung gestalten!“ wurde das Spannungsfeld von einer höheren Lebenserwartung auf der einen und steigenden Kosten durch den technischen Fortschritt auf der anderen Seite angegangen.

Wolfgang Hauser, der Sprecher der Sektion, ehrte zu Beginn der Veranstaltung Gernot Greiner für seine zehnjährige Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat und wies auf die enorme Bedeutung des Gesundheitsthemas für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland hin: „Das Gesundheitswesen trägt dazu bei, dass Arbeitskraft zur Verfügung steht und stellt damit einen wesentlichen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Mit fünf Millionen Beschäftigten ist die Gesundheitswirtschaft zudem ein wichtiger Arbeitgeber.“

 

Kress und Schneider machten die Bedeutung der Gesundheitspolitik deutlich. „Die Gesellschaft hat Interesse an einem hohen Gesundheitsstand und an einer umfassenden Versorgung. Gleichzeitig muss die Gesundheitsversorgung bezahlbar sein“, so Kress. Aus ökonomischer Sicht bestehe Interesse an Wachstum und Umsatz, innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen sowie einer Minimierung der Kosten bei einer Maximierung des Umsatzes. Kress stellte auch den sogenannten „zweiten Gesundheitsmarkt“ vor, also den Bereich Wellness, Wohlbefinden, Gesundheitstourismus sowie gesundheitsbezogene Sport- und Freizeitangebote. Diese gewännen zunehmend an Bedeutung, da das Motto „gesünder leben zu wollen“ auf immer mehr Menschen zuträfe.

 

Schneider wiederum verwies nach einer Kurzvorstellung der AOK Neckar-Fils auf die Herausforderungen für sen Haus und die gesamten Branche. Das größte Problemfeld sei dabei die demographische Entwicklung. „Sinkendes Arbeitskräftepotential generell und die Feminisierung der Berufe im Gesundheitswesen, das heißt überwiegend Frauen, die Medizin studieren, erfordern eine enorme Flexibilisierung der Arbeitsmodelle, beispielsweise durch Teilzeitmodelle. Damit ist auch die bisher gekannte Nachwuchssicherheit in Frage gestellt.“ Schneider nannte auch die Finanzierbarkeit als Problemfeld. „Hier greifen die Demographie, der medizinisch-technische Fortschritt und die Ressourcenverschwendung durch Über- und Fehlversorgung ineinander und verursachen hohe Kosten.“ Hinsichtlich der Systemdebatte im Gesundheitswesen stellte Schneider klar: „Besser als ein Wettbewerb zwischen den einzelnen Kassen wäre ein Wettbewerb um die beste Versorgung zu den geringsten Kosten. Wir wollen weg vom „Payer“ hin zum „Player“. Wir wollen zum Gestalter der Versorgung werden.“

 

Die nachfolgende Fragerunde führte zu einer lebhaften Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass man der Kostenexplosion vor allem durch die Vermeidung von Doppelstrukturen, das bedeutet keine Konsultation von drei oder mehr Fachärzten für einen Fall, begegnen kann. Dabei müssten die Schnittstelle Krankenhaus, Pflege und Reha besser und effizienter gestaltet werden. Deutlich wurde auch, dass ein Bewusstsein für die anfallenden Kosten geschaffen werden muss. Am Ende resümierte Sektionssprecher Hauser: „Trotz dieses spannenden Themas wird es noch ein langer Weg hin zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen im Gesundheitswesen durch den Einzelnen sein.“

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