22. Dezember 2016
Wirtschaftsrat: Finanzplatz Deutschland im Wettbewerb stärken

Der Wirtschaftsrat fordert heute im Handelsblatt die deutsche Politik auf, den Finanzplatz Frankfurt stärker zu fördern und damit Banken von London nach „Mainhattan“ zu locken. Mit dem Brexit hat der Finanzplatz Frankfurt eine historische Chance, der Top-Finanzplatz in Europa zu werden. "Doch statt die Chancen zu nutzen, übt sich die Politik in "vornehmer Zurückhaltung", kritisiert Wolfgang Steiger. Seit die Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hat, werben verschiedene Städte auf dem Kontinent um die Gunst der Finanzinstitute in Großbritannien. Denn wenn es zu einem harten Bruch mit der Wirtschaftsgemeinschaft kommt, dürften die Institute ihren europäischen Pass verlieren. Um weiter Geschäft in der EU zu machen, werden viele Häuser wohl ein Standbein auf dem Kontinent benötigen. Mehrere Städte buhlen um die Banken: "Dublin, Amsterdam und Paris präsentieren sich längst im attraktiven Hochzeitsgewand", sagt Wolfgang Steiger. "Dagegen fällt Deutschland ab. Man hat den Eindruck, dass viele der Meinung sind, die Finanzbranche müsse noch immer im Büßergewand herumlaufen."

Der Einsatz der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung, die Bankenaufsichtsbehörde Eba von London nach Frankfurt zu holen, geht in die richtige Richtung. Aber das reicht nicht. Ansprüche müssen durch politisches Handeln untermauert werden. So wirbt der Wirtschaftsrat dafür, einen befreienden Einzelabschluss nach den internationalen Rechnungslegungsregeln IFRS einzuführen. Derzeit verlangt das deutsche Bilanzrecht im Unterschied zu anderen EU-Ländern zwingend einen zusätzlichen Einzelabschluss nach dem Handelsgesetzbuch. Auch spricht sich der Wirtschaftsrat für eine Abschaffung der Kontrolle der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) im kaufmännischen Geschäftsverkehr aus. Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die AGB nicht nur gegenüber Verbrauchern, sondern auch gegenüber Unternehmen gelten. Für bestimmte Geschäfte wird daher schon heute das Ausland bevorzugt.

 

Die Attraktivität Deutschlands für ausländische Banken wird sich auch erhöhen, wenn die Bankenabgabe steuerlich absetzbar wäre. Für wesentlich hält der Wirtschaftsrat zudem die Einführung eines Wahlrechts flexibler Abfindungsoptionen. Die sollten es ermöglichen, eine vereinbarte Abfindung an die Stelle des gesetzlichen Kündigungsschutzes treten zu lassen. „Das wären überzeugende Signale, dass Deutschland Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich aufnehmen will“, so Wolfgang Steiger. Die Politik sollte zügig einige Stellschrauben verändern, weil die Finanzinstitute mit ihren Standortentscheidungen nicht bis zum endgültig vollzogenen Brexit warten werden.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel „Wirtschaftsrat kritisiert Politik“ unter diesem Link oder in der aktuellen Printausgabe im Handelsblatt auf Seite 29.

 

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