15. Januar 2016
Wirtschaftsrat zu Gast im Kernkraftwerk Philippsburg
Unternehmer diskutieren Atomausstieg und Rückbau mit einem Energieversorger
Dr. Manfred Möller erläutert den Rückbau aus Sicht eines Energieversorgers Bild: WR

Philippsburg. Rund 15 Unternehmerinnen und Unternehmer der Sektionen Baden-Baden/Rastatt und Karlsruhe/Bruchsal besichtigten das Kernkraftwerk in Philippsburg. 4 Stunden dauerte der Rundgang mit Führung durch den Naturzugnasskühlturm, das Maschinenhaus und das Reaktorgebäude des Druckwasserreaktors. Unter strengen Sicherheitsbestimmungen, nach dem passieren von 3 Sicherheitsschleusen, behelmt und vollständig in Schutzkleidung gekleidet, konnten die Mitglieder des Wirtschaftsrates bis in den inneren Sicherheitsbereich des Kernkraftwerkes Einblick nehmen. Dabei war der Blick in das Abklingbecken mindestens so interessant, wie die enorme Dimension der Kühlwasserzuführung aus dem Rhein in der Maschinenhalle.

 

Der Führung voraus ging ein Vortrag des stellvertretenden Geschäftsführers für den Bereich Rückbau, Dr. Manfred Möller, der anschaulich darstellte, dass es neben dem Betrieb eines Kernkraftwerkes auch Lösungen für den Nachbetrieb, die Stilllegung und den Abbau braucht.

Das im Rahmen der Energiewende durch die Bundesregierung definierte Ziel der Abschaltung aller Kernkraftwerke bis zum Jahr 2022, hält Möller für ambitioniert aber machbar. So betonte er zum Beispiel wie wichtig die frühzeitige Planung der Stilllegung ist.  „Noch während der Betriebsphase kann dann begonnen werden, das Rückbaukonzept zu erstellen und die notwendigen Genehmigungen einzuholen“. Bei Philippsburg I sei das auf Grund der ad-hoc-Entscheidung nicht möglich gewesen. „Philippsburg I hat deshalb eine unnötig lange Nachbetriebsphase“ so Möller. Jedoch profitiere die EnBW von den Erfahrungen, die man beim Rückbau des Kernkraftwerks in Obrigheim sammele und sei was Konzepte, Lösungen und Prozesse des Rückbaus betreffe deshalb einer der erfahrensten Konzerne deutschlandweit. „Während des Rückbaus“, das betonte Möller „ist die Strahlenbelastung bereits erheblich niedriger als zu Betriebszeiten“. Erreicht werden kann das unter anderem dadurch, dass aktivierte Bauteile unter Wasser ferngesteuert zerlegt und zerkleinert werden. 

Rund 1% aller Bauteile des Blocks Philippsburg I sind am Ende tatsächlich radioaktiver Abfall, der zuerst zwischen- und dann endgelagert werden muss. Für 2-3% der Komponenten gibt es eine sogenannte zweckgerichtete Freigabe und immerhin 96 – 98% der Komponenten können recycled werden.

 

Während die EnKK mit dem Abbau im Plan liegt, bereitet das fehlende Endlager dem Konzern Probleme. „Planung, Genehmigung und Bau des Endlagers liegen in Bundeshand und hinken dem Zeitplan hinterher“ so Möller, die Kostenübernahme liegt bei den Energieversorgern. „Für die EnKK bedeutet das, dass wir auf Grund des Zeitverzugs gezwungen sind ein weiteres Zwischenlager zu errichten. Ein weiterer Neubau um den Abbau nicht zu gefährden.“ Möllers Resümee: „Der Konzern plant akribisch und wirtschaftet maßvoll. Das unkontrollierbare Risiko sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen.“