10. September 2018
Zukunftsfähigkeit des Rentensystems ist zentrale Frage der Generationengerechtigkeit
Werner M. Bahlsen: Die Große Koalition lebt auf Kosten der jüngeren Generationen

Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. fordert die Bundesregierung dazu auf, das Rentensystem zukunftssicher zu gestalten. „Wie schon bei Mütterrente und Rente mit 63 beschränkt sich die Rentenpolitik der Bundesregierung erneut darauf, teure Wahlgeschenke zu verteilen“, kritisiert Präsident Werner M. Bahlsen. „Das ist in keiner Weise nachhaltig. Die Große Koalition lebt auf Kosten der jüngeren Generationen.“

 

Derzeit ist die Rentenkasse noch in einer relativ komfortablen Lage: Zum Jahresanfang hatte die gesetzliche Rentenversicherung 33,5 Milliarden Euro an Reserve aufgebaut. „Arbeitnehmer und Unternehmen haben dieses Geld erwirtschaftet“, erklärt Werner M. Bahlsen. „Angesichts der guten Kassenlage bestünde jetzt die historische Chance, ein zukunftsfähiges Rentenkonzept unter Berücksichtigung der demografischen Realitäten zu entwickeln.“

 

Findet keine tiefgreifende Reform statt, wird das Rentensystem in Kürze an seine Grenzen stoßen: Selbst ohne weitere Geschenke würde der Rentenbeitrag laut Rentenversicherungsbericht und Sachverständigenrat von heute 18,7 Prozent auf 21,5 Prozent 2029 und mehr als 25 Prozent 2050 ansteigen. Verantwortlich dafür ist die Spendierpolitik der letzten Großen Koalition: Allein das 2014 verabschiedete Paket mit Mütterrente und Rente mit 63 kostet 10 Milliarden Euro – pro Jahr. Zudem werden sich die jährlichen Rentenausgaben nach Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bis 2045 fast verdreifachen: Von derzeit rund 283 Milliarden Euro auf dann 784 Milliarden Euro. Für weitere Rentengeschenke fehlt damit jeder Spielraum. Werner M. Bahlsen: „Anstatt die Überschüsse der Rentenkasse zu verprassen, müsste  die Bundesregierung überfällige Reformen anpacken. Dazu gehört vor allem eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung.“

 

Die Festschreibung des Rentenniveaus bis 2025 hingegen wertet der Wirtschafsrat als falsches Signal. „Derzeit gibt es keine Diskussion über Generationengerechtigkeit, weil viele Jüngere die Auswirkungen noch nicht in ihrem Geldbeutel spüren“, sagt Werner M. Bahlsen. „Mittelfristig kann diese Frage jedoch den gesellschaftlichen Frieden gefährden.“

 

Schon heute gelingt es Populisten verschiedener Parteien immer wieder, die Gesellschaft in der Rentenfrage zu spalten, etwa indem eine übertriebene Angst vor Altersarmut geschürt wird. Dabei sind Senioren wesentlich weniger als andere Altersgruppen von Armut betroffen: Lediglich drei Prozent der Über-65-Jährigen sind auf Grundsicherung angewiesen, Bezieher gesetzlicher Renten gar nur zu 2,5 Prozent, verglichen mit neun Prozent im Durchschnitt der Bevölkerung. Zudem unterscheidet sich der Anteil vergleichsweise Einkommensschwacher mit weniger als 60 Prozent vom Medianeinkommen von Altersgruppe zu Altersgruppe kaum. „Gezielte Maßnahmen helfen den Betroffenen deshalb besser als Gießkannenpolitik“, sagt Werner M. Bahlsen.

 

Dafür spricht, dass sich die Zahlen zu Altersarmut Studien zufolge nicht verändern. Der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums sieht auch im ungünstigsten Fall nur einen Anstieg der Quote von Grundsicherungsempfängern unter den Älteren auf fünf Prozent bis 2030, also weiterhin klar unterdurchschnittlich. „Wir brauchen deshalb mehr Transparenz in der Altersvorsorge durch ein säulenübergreifendes Renten-Informationssystem, das sämtliche Alterseinkünfte berücksichtigt“, bilanziert Werner M. Bahlsen. „Denn 70 Prozent aller beschäftigten Alleinstehenden und 86 Prozent aller Paare sorgen vor indem sie in Riester-, Rürup- und Betriebsrenten sowie Renten- und Lebensversicherungen einzahlen.“

 

Damit ein solches System unabhängig von politischer Einflussnahme ist, muss die Renten-Information von einem neutralen Anbieter bereitgestellt werden und auf Knopfdruck verfügbar sein. „Die Jungen müssen wir vor Überlastung schützen, den Älteren die fälschlicherweise geschürte Angst vor massenweiser Altersarmut nehmen“, fordert Werner M. Bahlsen.

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