Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben Sie gefragt und Sie haben geantwortet. In der aktuellen Ausgabe des WR-Interns möchten wir uns für Ihre starke Beteiligung an unserer Politpuls-Umfage bedanken und Ihnen einen Auszug der individuellen Antworten präsentieren. Darüber hinaus gibt es eine spannende Berichterstattung zum Wirtschaftstag 2018 mit den Kernbotschaften der einzelnen Podien.

12. November 2018: Wirtschaftstag der Innovationen in Berlin - Bitte merken Sie sich diesen Termin vor

Politpuls-Umfrage 2018: Starke Reaktionen aus der Mitgliedschaft - jetzt detaillierte Auswertung

"Was muss Ihrer Meinung nach dringend angegangen werden, um Deutschland zukunftsfest und wettbewerbsfähig zu machen?" Diese Frage haben wir unseren Mitgliedern am Ende der diesjährigen Politpuls-Umfrage gestellt und so den Unternehmern die Möglichkeit gegeben, uns ihre Meinung zur wirtschaftspolitischen Lage in Deutschland mitzuteilen. Die Zahl der Rückmeldungen war überwältigend. Von den 2.500 Beteiligten haben mehr als die Hälfte eine individuelle Antwort hinterlassen. Über 600 individuelle, mit Namen versehene Antworten haben wir ausgewertet und viele gute Vorschläge für die politische Arbeit des Wirtschaftsrates bekommen. Hier folgt eine Auswahl der Antworten, die Sie uns gegeben haben.

Die Resonanz zeigt nicht nur, wie stark interessiert die Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsrates sind, sondern auch, wie viele Unternehmer trotz der zumeist sehr guten wirtschaftlichen Situation mit der Politik unzufrieden sind.

 

Dr. Henneke Lütgerath, Präsidiumsmitglied und Vorsitzender des Landesverbands Hamburg, verlangt eine „Modernisierung der physischen und digitalen Infrastruktur“ in Deutschland und eine grundlegende Reform der Unternehmensbesteuerung.

 

Judith Krauss, Sprecherin der Sektion Calw-Freudenstadt im Landesverband Baden-Württemberg, fordert eine „flächendeckende Breitbandversorgung“ und eine „schnellstmögliche Integration der Flüchtlinge in Arbeitsverhältnisse“.

 

Mihajlo Kolakovic, Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen, wünscht sich vom Gesetzgeber „mehr unternehmerische Freiheit“ und in der Europapolitik „mehr Vertragstreue“ sowie die Kopplung von Haftung und Entscheidungsgewalt.

 

Renate Düttgen aus dem Vorstand des Landesverbandes Saarland wünscht sich die Verwendung der Überschüsse im Haushalt „nicht zur sozialen Umverteilung“, sondern für den Ausbau der Verkehrs- und der digitalen Infrastruktur.

 

Dr. Johannes F. Kirchhoff, Mitglied im Bundesvorstand des Wirtschaftsrates, fordert „stärkere Bemühungen zum Bürokratieabbau“ und eine Vereinfachung des Steuersystems.

 

Bundesvorstandsmitglied Thorsten Pötke vermisst ein für die Digitalisierung zuständiges, „eigenes Ministerium“ und mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur.

 

Detlev Seeliger, ebenfalls Mitglied im Bundesvorstand des Wirtschaftsrates und Sprecher der Sektion Potsdam, fordert einen Mentalitätswandel in der Politik. "Maß der Dinge", so Seeliger, müssen wieder "Leistung, Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg werden“.

 

 

Hier gelangen Sie zum Auszug weiterer Stimmen aus der Umfrage

Wirtschaftstag 2018: Protektionismus, Schuldenkrise und Asylpolitik - Was sind Europas Lösungsstrategien?

Der Wirtschaftstag 2018 war mit mehr als 3.600 hochkarätigen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einmal mehr die Plattform für einen Austausch zwischen Wirtschaft und Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, die Bundesminister Peter Altmaier und Anja Karliczek, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans, der hessische Finanzminister Thomas Schäfer sowie SAP-Chef Bill McDermott, Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing, Deutsche-Börse-Vorstandschef Dr. Theodor Weimer und viele weitere Unternehmer, Parlamentarier des Deutschen Bundestages und Führungsetagen der neuen Bundesregierung waren Gäste des Wirtschaftsrates.

Gerade mit Blick auf die neue Legislatur kommt es entscheidend darauf an, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik die richtigen Weichen zu stellen, um das Motto des Wirtschaftstages „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Währungsunion – Zukunftsthemen anpacken, Marktkräfte stärken“ mit Leben zu füllen und die Soziale Marktwirtschaft wieder überzeugender als Kernelement unserer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung herauszustellen.

 

 

Freie Märkte weltweit in Gefahr


Ein Gespenst geht um in Europa und in der Welt: Protektionismus. Das verhindert Wandel, aber Innovationen und wirtschaftliches Wachstum verlangen nun einmal, das alte Strukturen durch neue verdrängt werden. Deshalb ist die Unterbindung des Wettbewerbs durch staatliche Planung immer falsch, eröffnete Werner M. Bahlsen, Präsident des Wirtschaftsrates, den Wirtschaftstag 2018. Wir müssen gar nicht bis nach Washington schauen. Auch aus Paris und Brüssel gibt es für den Wirtschaftsrat kritische Vorschläge zur Neuaufstellung der EU wie etwa den geforderten Finanzausgleich in der Eurozone, bei dem Deutschland mehr in die Haftung gehen soll. Auch das sind Versuche, dringend notwendige Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu vermeiden. Das wirtschaftspolitische Umfeld für deutsche Unternehmen wird insgesamt zunehmend schwieriger. Die Bundesregierung sollte umsteuern und den wirtschaftlichen Rahmen verbessern, etwa indem sie den Solidaritätszuschlag zügig für alle abschafft.

 

 

Deutschlands Rolle in Europa

  

Peter Altmaier MdB, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, betonte im Rahmen der Round-Table-Diskussion zum Thema „Wachstum, Stabilität und Reformen für Europa“, dass Deutschland die ordnungspolitische Debatte führen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb arbeite man gemeinsam mit Frankreich an einer Stärkung der Eurozone, aber mit klarem ordnungspolitischen Kompass. „Wir wollen denen Hilfe geben, die bereit sind, sich selbst zu helfen. Wenn heute ein Land ein Programm aus dem europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) beantragt, muss es auch bereit sein, Auflagen in Kauf zu nehmen und sie umzusetzen. Wir haben viel zu lange real vorhandene Probleme mit nicht vorhandenem Geld zu lösen versucht“, sagte Peter Altmaier.

 

Die Vorschläge der Bundeskanzlerin hält Burkard Balz MdEP, Finanzpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament und designiertes Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank für eine gute Diskussionsgrundlage zur Reform der Europäischen Union. „Es kommt allerdings auf die Details an“, betonte Balz. „Für einen Rainy-Day-Fund zum Beispiel müssen die Kriterien und Konditionalitäten genau bestimmt werden.“

 

George Osborne, Schatzkanzler des Königreichs Großbritannien a.D. und Senior Advisor bei BlackRock, stellte klar, dass Großbritannien nach dem Brexit eine enge und langfristige Partnerschaft mit der EU anstrebe. „Das wird keine Scheidung, sondern der Anfang einer neuen stabilen Beziehung“, prophezeite Osborne.

 

 

Brexit ist eine große Chance für Finanzplatz Deutschland


Zum Thema „Neues Wachstum durch starke Kapitalmärkte“ bemängelte Dr. Theodor Weimer, Vorsitzender des Vorstands, Deutsche Börse AG, dass der deutsche Finanzplatz noch nie besonders stark gewesen sei. „Er muss stärker werden. Und dafür bietet uns der Brexit – bei allem politischen Bedauern – eine große Chance.“ Der Chef der Deutschen Börse sprach sich dafür aus, dass es höchste Zeit ist, dass Deutschland den Mut wieder aufbringt, das Thema Finanzmarkt aktiver zu bespielen.

Ohne ein stabiles, heimisches Bankensystem mit globaler Reichweite im heutigen wirtschaftspolitischen Umfeld geriete auf Dauer auch die starke Position Deutschlands und Europas in Gefahr zeigte sich Christian Sewing, Vorsitzender des Vorstands, Deutsche Bank AG, in seiner Rede überzeugt. „Zunächst volkswirtschaftlich, dann politisch. Denn eine geschwächte Volkswirtschaft wird auf Dauer auch an politischem Gewicht verlieren.“

 

 

Weder Allheilmittel noch Schreckgespenst: Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch


Den Innovations-Dialog „Die Revolution der Künstlichen Intelligenz“ eröffnete Anja Karliczek MdB, Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Die letzte Entscheidung muss immer der Mensch treffen. Das gilt für den Einsatz von Drohnen ebenso wie für die Heilung von Krankheiten.“ Die Bundesministerin forderte, dass die Politik am Ende einen rechtlichen und einen ethischen Rahmen setzen müsse und sie diesen Gestaltungsanspruch sehr, sehr ernst nehme. Die technologische Entwicklung werde eng begleitet.

Auf die Risiken von KI-Systemen wies Victoria A. Espinel, President and CEO, BSA - The Software Alliance hin. „Es können Arbeitsplätze verloren gehen. Rechtliche Herausforderungen sind zu bewältigen, Datenschutz, Internetsicherheit und die Bedrohungen hierbei“. Wichtig seien für Regierungen deswegen folgende Grundpfeiler: „Vertrauen, eine Datenpolitik, die innovationsförderlich ist, ein Engagement für Sicherheit und Privatsphäre, Investitionen in Forschung und Entwicklung und Weiterentwicklung der Belegschaften und der Arbeiterschaft.“

Rüdiger Stroh, CEO, NXP Semiconductors Germany GmbH kritisierte, dass Deutschland und Europa sich bislang beim Thema Künstliche Intelligenz eher an der Seitenlinie denn auf dem Spielfeld tummelten. Nur drei Prozent der KI-Unternehmen weltweit haben bislang ihren Standort in Deutschland. „Wir müssen uns ernsthaft die Frage stellen, ob wir Chinesen und Amerikanern einfach das Spielfeld überlassen wollen!“

Podium I: Sicherheit als Wirtschaftsfaktor

Die Moderatorin Petra Justenhoven, Mitglied der Geschäftsführung, PwC GmbH WPG, skizzierte zu Beginn die veränderte Sicherheitslage und die modernen Herausforderungen, die durch die Globalisierung entstehen: „Heute im Rückblick scheint die Finanz- und Bankenkrise wie ein Vorbote gewirkt zu haben, auf eine neue, weltumfassend veränderte unsichere Lage, zu der die Digitalisierung auch einen Beitrag zu leisten scheint. Wir lernen Begriffe kennen wie „Fake News“, „Cyber Attacke“, „Cyber War“. Der allein in Deutschland verursachte Schaden der Cyber-Angriffe wird auf über fünfzig Milliarden Euro jährlich beziffert. Unsere Sicherheitspolitik wird digitaler. Kriege werden längst digital geführt. Wirtschaftskrisen, Bürgerkriege und Handelskriege finden nicht mehr in fernen Ländern statt. Ihre Auswirkungen spüren wir hier bei uns direkt vor unseren Haustüren.“

Freihandel und Demokratie als entscheidende Regelsysteme in einer unsicheren Weltlage


Michael Theurer MdB, stellvertretender Vorsitzender FDP-Bundestagsfraktion, erinnerte daran, dass nicht allein die USA skeptisch gegenüber dem Freihandel eingestellt seien. Gerade in Deutschland habe die Debatte um TTIP und CETA gezeigt, dass auch diesseits des Atlantiks Vorbehalte herrschen. „Jetzt ist deshalb mehr denn je ein klares Bekenntnis zum Freihandel erforderlich.“

 

Ein Faktor, der dieses Bekenntnis aktuell und vehement in Frage stellt, ist der US-amerikanische Präsident Donald Trump. Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V., resümierte, dass er die Kritik an US-Präsident Donald Trump überwiegend teile. „Aber: Amerika ist immer noch ein Rechtsstaat und eine Demokratie“, so Merz. „Das heißt: Wir Europäer sind – im Gegensatz zu immer mehr anderen Regionen in der Welt – zusammen mit Amerika der Überzeugung, dass politische Macht Begrenzung durch Institutionen braucht. Und das gelingt am besten dann, wenn Regierung, Parlament, Gerichte und Medien bereit sind, sich an Regeln der gegenseitigen Machtbegrenzung zu halten.“



Nachhaltige Verbesserung der Cybersicherheit dringend notwendig


Im Rahmen der Diskussion wurden insbesondere die neuen Herausforderungen der digitalen Welt sowie deren rasante Entwicklung beleuchtet. Esti Peshin, General Manager Cyber Programs bei Israel Aerospace Industries, unterstrich, dass Sicherheitslösungen für den Cyberspace, die heute angemessen erschienen, dies morgen schon oft nicht mehr seien. „Die Bedrohungen verändern sich. Deshalb brauchen wir lernende Systeme, die sich entwickeln.“ Sie empfahl zudem die Entwicklung von ganzheitlichen Ökosystemen zur Verbesserung der Cybersicherheit – beispielsweise wie in Israel – um nachhaltige Lösungen zu gewährleisten.

 

Martin Ruubel, President von Guardtime, bemerkte, dass die größte sicherheitspolitische Herausforderung darin bestehe, die traditionelle Sicherheit mit der Cybersicherheit zu verbinden. „Es ist sehr schwierig, die Paradigmen der traditionellen Sicherheit auf die digitale Welt zu übertragen.“

 

Holger Friedrich, Managing Director bei CORE SE, zeigte sich überzeugt, dass der Wettbewerb der Systeme immer über Effizienz ausgefochten wird. „Aus deutscher und europäischer Perspektive gehen wir jedoch fahrlässig mit unserem Knowhow um. Wir haben alles, was wir brauchen, um erfolgreich zu sein, vor Ort.“ 

 

Dr. Michael Mertin, Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU e.V., forderte, dass geistige Eigentumsrechte stärker geschützt werden sollten. „Wir müssen begreifen, dass wir heute eine technische Infrastruktur haben, die wir nicht mehr unter unserer eigenen territorialen Hoheit haben. Wir haben weder ein Konzept noch ein Bewusstsein dafür, dass es sich hierbei um existenziell wichtige Güter für unsere Volkswirtschaft handelt.“ 

Podium II: Soziale Marktwirtschaft im Spannungsfeld von Bevölkerungsalterung, Nullzins und Umverteilungswahn

„Ich bin dem Wirtschaftsrat dankbar, dass er mit dem Titel dieses Veranstaltungsteils bewusst die Soziale Marktwirtschaft in den Fokus rückt, während ansonsten überall des 200. Geburtstags von Karl Marx gedacht wird“, betonte der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU, Dr. Carsten Linnemann MdB. Gerade auch bei der Altersvorsorge seien grundlegende ordnungspolitische Prinzipien wie mehr eigenverantwortliche Vorsorge, privatwirtschaftliche Initiative und Rechtssicherheit bei abgeschlossenen Vorsorgeverträgen, beispielsweise über Betriebsrenten, entscheidend. Hierin waren sich die Teilnehmer des Podiums „Soziale Marktwirtschaft im Spannungsfeld von Bevölkerungsalterung, Nullzins und Umverteilungswahn“ einig.

Der Moderator, Dr. Helge Lach, Vorstand der Deutschen Vermögensberatung AG, skizzierte eingangs die schwierige Lage der deutschen Altersvorsorgesysteme im doppelten Zangengriff aus Niedrigzins und demographischem Wandel: Einerseits schmälere die extreme Niedrig­zinsphase die Auszahlungen der eigenver­antwortlichen, kapitalgedeckten Altersvorsorge: 2001 habe die laufende Verzinsung privater Rentenversicherungen noch über 7 Prozent gelegen, im laufenden Jahr falle sie dagegen erstmals unter die Marke von 2,5 Prozent.

 

Andererseits führe die Bevölkerungsalterung unsere umlagefinanzierte Gesetzliche Rentenversicherung an ihre Belastungsgrenze: Während heute auf einen Rentner etwa drei Personen im erwerbsfähigen Alter kämen, müssten bereits 2030 zwei Erwerbspersonen einen Ruheständler finanzieren. Wenn dennoch die von der SPD geforderte doppelte Haltelinie von 48 Prozent für das Rentenniveau sowie 20 Prozent beim Rentenversicherungsbeitrag zeitlich unbegrenzt eingeführt würde, sprenge dies den Staatshaushalt: Der Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung müsse dann von heute rund 90 Mrd. € auf 250 Mrd. € in 2040 ansteigen.

 

Dr. Michael Diederich, Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, betonte, für die Akzeptanz der Alterssicherungssysteme seien insgesamt auskömmliche Einkommen im Ruhestand entscheidend. Hierzu müssten die Bürger anhand eines säulenübergreifenden Renten-Informationssystems auf Knopfdruck ihre Versorgungslücke frühzeitig erkennen und im nächsten Schritt schließen können. Wichtig sei dabei eine renditestärkere Kapitalanlage.

Herr Thomas Kruse, Chief Investment Officer der Amundi Deutschland GmbH, bekräftigte, im internationalen Vergleich sei der Anteil der Aktienbesitzer in der Bundesrepublik sehr gering. Umso wichtiger sei eine bessere Bildung bei Wirtschafts- und Finanzthemen. Bürgern müsse die Unterscheidung zwischen Risiko und Volatilität, beispielsweise bei der Aktienanlage, geläufig sein.

 

Einen weiteren konkreten Vorschlag lieferte Ralf Berndt, Vorsitzender der AG Private Altersvorsorge des Wirtschaftsrates und Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a.G.: Versicherer könnten eine renditestärkere Anlage anbieten, wenn sie im Neugeschäft v.a. auf Produkte setzten, die in der Ansparphase auf Garantien verzichteten und so eine größere Anlageflexibilität ermöglichten. Gleichzeitig seien für eine ausreichende Verbreitung von Vorsorgeprodukten Vermittler entscheidend, die den Bürgern das Thema Alterssicherung nahebrächten.

 

Dr. Carsten Linnemann MdB hob hervor, die Bürger müssten auch den finanziellen Spielraum zur Eigenvorsorge haben. Umso dringender müsse den Beitragszahlern ihr Geld wiedergegeben werden, dass in den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung lagere und dort die Begehrlichkeiten sozialdemokratischer Umverteiler wecke – ein Problem, dass übrigens generell mit Staatsfonds verbunden sei. Statt jetzt mit einem Schnellschuss neue Rentengeschenke zu verteilen, sollten zuvor mögliche Reformen in der Rentenkommission erörtert werden.

 

Der Vizepräsident des Wirtschaftsrates, Herr Prof. Dr. Hans Helmut Schetter, resümierte, keinesfalls dürfe sich die Union von der SPD zu unsinnigen Projekten treiben lassen, nur, weil diese im Koalitionsvertrag stünden. Ohne den Wirtschaftsflügel verfüge die Bundesregierung über keine Mehrheit mehr. Diese Veto-Position müssten die ökonomisch verständigen Politiker auch nutzen! 

Podium III: Neuausrichtung der Energiewende für einen starken Industriestandort

„Die Energiewende ist eine wahre Herkulesaufgabe für unser Land und hat weitreichende Folgen für jedermann, für jeden Bürger im Kleinen, ganz sicherlich aber für die Unternehmen in unserem Land und insbesondere für energieintensive Unternehmen in der Industrie, wie wir sie in Deutschland mannigfaltig haben. Deswegen stehen wir aus meiner Sicht bei der Energiewende vor einem großen Wendepunkt auch in der Industriepolitik“, betonte der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans in seiner Key Note-Rede. Der Wirtschaftsrat sei zu Recht überzeugt: Jetzt müssten die Weichen für das Energiesystem von morgen gestellt und die Energiewende in eine industriepolitische Gesamtstrategie für Wachstum und Innovationen eingebettet werden.

Der Moderator Dr. Karsten Wildberger, Mitglied des Vorstands, E.ON SE, skizzierte eingangs die wichtigsten Kernforderungen des Wirtschaftsrates: „Die bisherige Stromwende muss zu einer ganzheitlichen Energiewende werden. Dabei geht es auch um die gesamthafte Betrachtung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität. Wir brauchen dazu ein marktwirtschaftliches europäisches CO2-Preissignal, basierend auf einem reformierten Europäischen Emissionshandel (ETS), ausgeweitet auf die anderen Sektoren. Das heutige System aus Abgaben, Steuern und Umlagen ist viel zu komplex. Es muss radikal vereinfacht werden, damit Marktpreissignale die Wirkung überhaupt entfalten können.“

 

Auch Dr. Utz Tilmann, Hauptgeschäftsführer, Verband der Chemischen Industrie e.V., bezog sich in der Diskussion auf die Wichtigkeit des reformierten ETS als ein funktionierendes Leitinstrument für den europäischen Klimaschutz: „Da CO2 einen Preis hat und wir ja ein hervorragend funktionierendes ETS-System haben, was mengengesteuert bleiben muss und nicht preisgesteuert sein sollte, sehe ich keine Notwendigkeit, jetzt zusätzlich noch einen CO2-Preis zu schaffen. Dies ist nicht erforderlich, weil die Abnahme von CO2 in den Industrieprozessen und dem Energiesektor durch europäische Ziele hinreichend vorgegeben wird“, so Dr. Tillmann.

 

Dr. Roland Busch, Mitglied des Vorstands, Siemens AG, betonte die Notwendigkeit einer übersektorialen Betrachtung im weiteren Verlauf des Umbaus der Energieversorgung und unterstrich dabei auch die Rolle der Digitalisierung. „Das Thema Sektorkopplung ist ein ganz wesentliches Element, denn zwei Drittel des Primärenergieverbrauchs in Deutschland entfallen auf die Sektoren Wärme und Mobilität.“

 

Die Notwendigkeit einer europäischen Dimension bei der Bewältigung der energiepolitischen Fragen und die Sicherung des Industriestandortes im internationalen Wettbewerb rückte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Thomas Bareiß MdB, in den Vordergrund: „Wir führen derzeit eine sehr nationale Energiepolitik. Wir können uns nicht allein nur darauf verlassen, dass Kohle oder Kernkraftwerke aus dem Ausland zuschaltbar sind, wenn wir nicht mehr Energie liefern können, wenn Sonne und Wind nicht verfügbar sind. Das große Ziel der nächsten Phase der Energiewende muss sein, das Gesamtsystem stärker in den Fokus zu nehmen“, so Herr Bareiß MdB.

Podium IV: Starke Regionen, starkes Deutschland - Innovationen und Investitionen für den ländlichen Raum

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt auf dem Land, hier werden über 46 Prozent des Wohlstands erwirtschaftet. Das Land ist Standort von Landwirtschaft und erneuerbaren Energien, aber auch des Großteils der mittelständischen Gewerbebetriebe – darunter viele Weltmarktführer. Der ländliche Raum gehört zu unserer Kultur, er ist Heimat-, Wirtschafts- und Naturraum. Wie man von diesen Stärken nachhaltig profitieren kann und was zukünftig zur Sicherung desselben unternommen werden muss, diskutierten die Teilnehmer des Podiums „Starke Regionen, starkes Deutschland – Innovationen und Investitionen für den ländlichen Raum“ im Rahmen des Wirtschaftstages 2018.

Nach der Eröffnung des Podiums durch den Moderator Timo Tschammler, CEO, Jones Lang LaSalle SE, ging Dr. Hannes Ametsreiter, CEO, Vodafone Deutschland, in seinem Impulsvortrag auf die dringend gebotene und notwendige Aufholjagd in Sachen digitaler Infrastruktur ein. „Unsere Infrastruktur muss die beste der Welt sein, um die besten Produkte der Welt produzieren zu können“, sagte Dr. Hannes Ametsreiter. „Deutschland ist spitze in vielen Bereichen. Aber das ist keine Garantie dafür, dass wir auch künftig an der Spitze stehen werden.“ Deshalb müssen jetzt die Weichen in Richtung Gigabyte- und Glasfasernetz richtig gestellt werden, so seine Forderung.

 

 

Mit der richtigen Infrastruktur ausgestattet, hat der ländliche Raum Zukunft


Der hessische Finanzminister, Dr. Thomas Schäfer MdL, adressierte in seinem Impuls ebenfalls „die Frage der Zukunft des ländlichen Raumes“. Diese hat für ihn „eine psychologische und eine infrastrukturelle Komponente. Und beide stehen in einer Wechselwirkung“. Dem psychologischen Problem des „Abgehängt-Seins“ müsse man beikommen durch klare Botschaften inhaltlicher und auch vor allem infrastruktureller Art, z.B. ganz pragmatisch durch die Ansiedlung großer Behörden und Bildungseinrichtungen vor Ort. Thomas Schäfer ermunterte die Zuhörer, stärker die Chancen und nicht nur die Risiken und Probleme des ländlichen Raumes in den Vordergrund zu stellen und damit klarzumachen, dass die Menschen in ihrer Heimat eine Zukunft haben. Eine Zukunft mit einer höheren Lebensqualität als in einer hochverdichteten Großstadt.

 

 

Telemedizin gegen den Landarztmangel


Kai Hankeln, CEO Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA, mahnte die durch die Demografie beschleunigte Entwicklung einer vernetzten Gesundheitsversorgung in den ländlichen Räumen an. Um u. a. die Attraktivität der Standorte im ländlichen Raum zu steigern, sollten die Länder dringend ihren Investitionsverpflichtungen in die Klinikinfrastruktur nachkommen. Des Weiteren forderte er für die Schaffung eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Krankenhaussektors eine Spezialisierung, Restrukturierung und bessere Ausfinanzierung desselben. Auch der Ausbau von Telemedizin spiele eine entscheidende Rolle bei der zukünftigen Gewährleistung von medizinischer (Grund-) Versorgung in der Fläche.

 

Dirk Roßmann, Vorsitzender der Geschäftsführung, Dirk Rossmann GmbH, bekannte sich, im Rahmen der erforderlichen Wirtschaftlichkeit, zu den stationären Standorten seiner Drogeriemärkte im ländlichen Raum. Gleichzeitig plädierte auch er für die Bedeutung der Infrastruktur vor Ort. Insbesondere die Anbindung müsse zuverlässig und nachhaltig gewährleistet werden. Nur so könne es gelingen, die gegebene Attraktivität des ländlichen Raumes beizubehalten.

 

In der Diskussion wurde deutlich, dass der ländliche Raum durchaus Schätze birgt, die es zu heben gilt. Allerdings ist schnelles und beherztes Handeln in vielen Bereichen vonnöten. Der Wirtschaftsrat wird sich deshalb in seinen Bundesfachkommissionen intensiv mit diesen Themen befassen und entsprechende Maßnahmen vorschlagen.

Europas Fundamente müssen Markt, Wettbewerb und Subsidiarität bleiben

Ein weiterer Höhepunkt des Wirtschaftstages 2018 bildete die Abendveranstaltung mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem SAP-Chef Bill McDermott. Wie kann sich Europa, wie können sich freier Markt, freier Handel und fairer Wettbewerb in Zeiten von Protektionismus, Nationalismus und immer größer werdenden Schuldenbergen einzelner EU-Staaten behaupten?

Der Präsident des Wirtschaftsrates, Werner M. Bahlsen, eröffnete die hochkarätig besetzte Abendveranstaltung und begrüßte Bundeskanzlerin Angela Merkel, den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und SAP-Vorstandschef Bill McDermott mit den Worten: Wenn wir eine ehrliche Debatte über Europa führen wollen, müssen wir anerkennen, dass wir ein Schuldenproblem haben und Regeln wiederholt nicht eingehalten würden. Aber wir müssen auch darüber reden, dass Europa ein Power-House ist. Europa hat den Mittelstand, um den uns die Welt beneidet. Und Europa ist der größte Wirtschaftsraum der Welt. Das ist ein Pfund in Zeiten, in denen Protektionismus eine Renaissance erfährt.

 

Bill McDermott, Sprecher des Vorstands, SAP SE, skizzierte die großen Chancen durch die Fortentwicklung künstlicher Intelligenz. Die künstliche Intelligenz wird weltweit 16 Billionen Euro Wirtschaftswachstum bis 2030 generieren und Unternehmen dabei helfen, vier Billionen Euro an Kosten einzusparen. Aber wir sehen auch zwei miteinander wetteifernde Elemente dieser Zeitenwende, nämlich Angst versus Chance. Diese Angst ist natürlich real. Die künstliche Intelligenz wird Millionen von Arbeitsplätzen in der Weltwirtschaft überflüssig machen und sie wird fast jeden Beruf betreffen – von der Chefetage bis zur Fabrikhalle. „Da wir uns nun über diese Auswirkungen im Klaren sind, sollten wir sie auch proaktiv angehen“, sagte McDermott. Wenn Mensch und Maschine richtig zusammenarbeiten, könnten die großen Herausforderungen der Menschheit in Zukunft gelöst werden. Nur mit Optimismus kann man die Zukunft gewinnen, mahnte der SAP-Chef.

 

Die EU-Ratspräsidentschaft seines Landes ab 1. Juli 2018 zu nutzen, um Europa über eine Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit voranzubringen, kündigte Sebastian Kurz, Bundeskanzler der Republik Österreich an. Eine Verschlankung der EU-Bürokratie, weniger Regulierung und mehr Geld für Zukunftsinvestitionen seien hierfür angezeigt. „Die Gefahr ist groß, dass Europa abgehängt wird“, mahnte Kurz. Es sei eines seiner großen Ziele, dass sich auf EU-Ebene, Deutschland, Österreich und andere, gemeinsam dafür einsetzen schlanker zu werden, nicht nur, weil es günstiger für die Steuerzahler ist, sondern weil es auch Entscheidungsstärke und Bürokratieabbau voranbringt. Der Bundeskanzler rief die Mitgliedsländer der EU dazu auf, hart daran zu arbeiten, ein geeinteres Europa zu schaffen. Das Motto der EU ist „in Vielfalt geeint“ und nicht „in Gleichheit getrennt“, sagte Kurz weiter. Nicht alle Details bräuchten europäische Regelungen und eine Gleichschaltung aller 28 Mitgliedsstaaten. Die österreichische Regierung kämpfe für ein Europa der Subsidiarität, das sich auf die großen Fragen konzentriere, dort Kraft entwickelt und sich in Bereichen zurücknehme, wo Nationalstaaten oder Regionen entscheiden können.

 

Dr. Angela Merkel MdB, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, forderte, mutig und entschlossen an die großen Herausforderungen der Gegenwart heranzugehen. Der Schlüssel für Deutschlands Zukunft liege in Europa sagte die Kanzlerin. Zu den großen europäischen Themen gehören eine gemeinsame Asylpolitik und eine kohärente Außenpolitik gegenüber Russland, China und den USA. Die EU sei herausgefordert durch die Frage etwa der Zölle auf Aluminium und Stahl und bereite Gegenmaßnahmen vor. „Wir glauben, dass die Erhebung zusätzlicher Zölle nicht mit dem WTO-Regelwerk vereinbar ist.“ Die Bundeskanzlerin machte klar, dass für sie nicht nur die Handelsbilanz, sondern auch die Direktinvestitionen zählen: „Die deutschen Direktinvestitionen in den USA sind deutlich höher als die Direktinvestitionen der Amerikaner bei uns. Das größte BMW-Werk der Welt steht nicht in Deutschland, sondern in South Carolina.“ Europa brauche auch eine gemeinsame Verteidigungspolitik. „Wenn Europa ein globaler Akteur sein will, dann muss es sich auch wie ein globaler Akteur verhalten“, sagte Angela Merkel.

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