01. Februar 2012
Zwei Seiten der Medaille Globalisierung
Flughafen-Chef Dr. Stefan Schulte referiert exklusiv vor Mitgliedern des Wirtschaftsrates in Frankfurt
„Luftverkehr und Fluglärm – zwei Seiten der Medaille Globalisierung“. Ebenso aktuelle wie brisante Kost bot beim Unternehmerfrühstück der Sektion Frankfurt Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG und stellvertretender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Hessen. Dass auch die anwesende Unternehmerschaft das Thema Flughafenausbau Frankfurt, was die Lärmentwicklung angeht, nicht kritiklos hinnimmt, zeigte die sich an den Vortrag anschließende Diskussion.
v.l.n.r. Lutz R. Raettig, Sprecher Sektion Frankfurt; Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender Fraport AG und stellvertetender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Schulte erläuterte anschaulich die Bedeutung, die zentrale Lage und hervorragende Infrastruktur der Region Rhein-Main, die den Flughafen zum „leistungsfähigen Verteil-Knoten in die Welt“ mache. 75 bis 80 Prozent aller aus den USA und Fernost kommenden Waren würden hier umgeschlagen; 70 Prozent der interkontinentalen Verbindungen „gehen über Frankfurt“. Mit der neuen Landebahn seien dafür die Kapazitäten geschaffen worden. „Wir leben in einer internationalen Arbeitsteilung, die uns letztendlich den Wohlstand bringt“, so Dr. Schulte. Logistik sei somit der Motor der Wirtschaft, der Flughafen ein Job-Motor für die gesamte Region. Zwischen 1980 und 2011 sei die Zahl der Arbeitsplätze allein rund um den Flughafen von damals 31.800 auf nunmehr fast 75.000 gestiegen. Tendenz: steigend.

 

Trotz aller positiven Argumente pro Flughafenausbau bewege viele Menschen zu recht das Thema Fluglärm, sagte Dr. Schulte. Er habe volles Verständnis für die zunehmenden Unmutsäußerungen und Demonstrationen. Dass sich Menschen belästigt und belastet fühlten, könne und werde man nicht ignorieren. So würden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) Lösungsmöglichkeiten entwickelt, um die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten. Das könne man etwa unter anderem über Anflughöhen oder leisere Flugzeuge erreichen. Expertengruppen beschäftigten sich zudem intensiv zum Beispiel mit aktivem Schallschutz - etwa mit „gekrümmten“ Anflügen oder „planbaren Lärmpausen“. Ebenso stehe der passive Schallschutz auf der Tagesordnung – Erstattung der Kosten durch Schallschutz am Bau - gestaffelt nach Schutzzonen, wofür 150 Millionen Euro für 85.000 Haushalte mit 180.000 Bewohnern aufgewendet würden. Auf dem Programm stünde auch der Aufkauf von Immobilien in den Lärmzonen. „Das Thema Verringerung des Fluglärms hat für Fraport den gleichen Stellenwert wie die Sicherheit und die Flüssigkeit des Flugverkehrs“, so Dr. Schulte.