27. Oktober 2016
Sektion Kassel
Zwischen weltweiter Exploration und Klimaschutz
Die Sektion Kassel zu Besuch bei Wintershall
Die Sektion Kassel bekam bei einer Betriebsbesichtigung der Wintershall Holding AG die Gelegenheit, Deutschlands größten Erdöl- und Erdgas-Produzenten näher kennen und verstehen zu lernen. Eindrucksvolle Zahlen und ehrliche Worte prägten den aufschlussreichen Abend.
Dr. Ties Tiessen, Mitglied des Vorstandes der Wintershall GmbH, empfängt die Mitglieder der Sektion Kassel (Foto: Wirtschaftsrat)

„Heute konzentrieren wir uns vor allem auf das Bohrloch, also auf Upstream-Aktivitäten“, so der Finanz- und Marketingvorstand der Wintershall Holding AG, Dr. Ties Tiessen. Das war nicht immer so: Wintershall wurde 1894 ursprünglich als Bohrgesellschaft zur Förderung von Kalisalz gegründet. Doch der zufällige Ausbruch von Erdöl in einem Kalischacht im Jahre 1930 eröffnete ein ganz neues Geschäftsfeld. Heute ist die hundertprozentige Tochtergesellschaft der BASF ein Global Player und fördert Erdöl und Erdgas unter anderem in Russland, Nordafrika und Südamerika. „Wir sind nicht überall wo Öl und Gas sind, aber da wo wir sind, gehören wir zu den Majors“, erklärte Tiessen.

 

In diesen Zeiten sieht sich die Branche jedoch vor großen Herausforderungen. Tiessen, der selbst vier Jahre in Libyen lebte und arbeitete, erläuterte: „Unser Geschäft ist durchwachsen von wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten. Gegen Unruhen und Kriege schließen wir deshalb hohe Versicherungen ab.“ Auch der Preisverfall des Öls stelle ein akutes Problem dar. „Die Verbraucher profitieren – wir natürlich nicht. Ab 2018 muss der Ölpreis wieder hochgehen.“ Aus finanzwirtschaftlichen Gründen würden Aktivitäten in der Branche oft in Konsortien geregelt, so lasse sich auch das Risiko besser verteilen. Auf die Frage hin, wie man mit der Ressourcenknappheit und der energiewirtschaftlichen Modernisierung umgehe, stellte Tiessen klar: „Die Steinzeit ist auch nicht aus Mangel an Steinen vorübergegangen. Außerdem gibt es viele Prozesse und Produkte für die Öl und Gas weiterhin gebraucht werden.“

 

Dr. Peter Westhof, Leiter Energiepolitik bei der Wintershall Holding AG, mahnte, dass die Diskussion über die Erneuerbaren Energien in Deutschland von Illusionen und Mythen geprägt seien. Deutschland sei bei Weitem nicht so vorbildlich, wie es vorgebe zu sein. „Nach Fukushima war die Senkung der Treibhauswerte das oberste Ziel der Bundesregierung. Dies wurde nicht zufriedenstellend erreicht.“ 45 Millionen Tonnen CO2 ließen sich mit einem Wechsel von Kohle zu Gas einsparen. „Hierdurch könnte man die Emissionen pro Kilowattstunde halbieren! Wir befürworten also sehr wohl den Klimaschutz. Aber er muss volkswirtschaftlich tragbar bleiben und darf die Industrie nicht benachteiligen“, so Westhof abschließend. 

Sektionssprecher Robert Köster eröffnet die Veranstaltung (Foto: Wirtschaftsrat)
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